Fabio & Luis: "Wir machen die Welt ein kleines bisschen besser!"

Portrait Andreas Moll
von Andreas Moll – 01.04.2019

März 2020. Neun Uhr morgens. Zwölf sommerliche Grad. Zur morgendlichen Hunderunde trifft das Hunderunden-Team, das dieses Mal aus Portalgründer Andreas Moll, Tochter Jule und Lieblingshund Pepples besteht, auf Fabio, Luis und die Vizla-Hündin Fredda. Treffpunkt ist die Fähre in Mondorf, die Menschen und Waren schon seit Jahrhunderten über den Rhein nach Graurheindorf übersetzte.

Helfen: einfach & schön zugleich

Während wir uns langsam mit den beiden Hunden in Bewegung setzen, wird erst klar, wie schön die Tour am Rhein eigentlich ist. Einige Kilometer weiter südlich mündet die Sieg in den Rhein. Das Mündungsgebiet der Sieg ist eine der letzten naturbelassenen Rheinmündungen und wurde im Jahr 1986 unter Naturschutz gestellt - hier entstand das Naturschutzgebiet Siegaue und Siegmündung. Das bedeutet natürlich, dass die Hunde angeleint sein müssen, doch es gibt auf dieser Hunderunde einige ausgewiesene Freilaufflächen, auf denen sich die Vierbeiner herrlich austoben können.

Zunächst nehmen wir den Fußweg, der uns um den Yachthafen in Mondorf führt. Auf den ersten Metern bereits erklären Fabio und Luis, welches Projekt sie denn eigentlich derzeit bewegt. Die beiden wollen mit ihrem Tierschutzprojekt ganz neue Wege gehen und erklären: "Wir wollen Helfen einfach und schön zugleich machen!"

Ich suche die Nähe von Luis und möchte immer dabei sein, wenn die Jungs etwas aushecken!"

Fredda

Magyar Vizsla, 7 Jahre alt

Und so fing alles an ..

Luis zog es, nachdem er sein Abi erfolgreich gemacht und bei der Bundeswehr seine Ausbildung absolviert hatte, in die weite Welt. "Das war eine Art Selbstfindungstrip, auf dem ich mir klar werden wollte, wohin mich mein weiteres Leben bringen sollte", erklärt der heute 23-Jährige. Der Sohn einer Tierärztin hatte immer schon einen engen Bezug zu Tieren, ist mit Hunden aufgewachsen und sieht sie als seine Freunde an. Doch in Asien ist der Hund kein Familienmitglied, der sich auf Augenhöhe mit den Menschen bewegt. "Noch nie im Leben habe ich so viele streunende, abgemagerte und traurige Vierbeiner gesehen, die von den Menschen mit soviel Missachtung und Gewalt gestraft wurden", erklärt Luis. Die Hunde kämpfen in vielen Ländern tagtäglich um ihr Leben. Die Redensart vom "geschlagenen Hund" wurde auf dieser Reise blanke Wirklichkeit. Und die Eindrücke die der junge Bonner sammelte, veränderten fortan sein Leben.

In Deutschland zurückgekehrt, schnappte sich Luis seinen Freund Fabio und erzählte ihm vom Leid der Hunde. Die Hauptgründe, warum es den Tieren schlecht geht, sind die fehlenden Mittel für Nahrung, die nicht existente medizinische Versorgung und die deutlich fehlende Achtung vor den Lebewesen. Fabio, selbst Hundefreund und -besitzer der fünfjährigen "Minou", ist tief berührt und beschließt gemeinsam mit seinem Kumpel, etwas gegen das weltweite Problem der Straßenhunde zu tun. Das Projekt Hunderunde war geboren. "Luis und ich waren uns einig, dass wir aktiv werden mussten, um eine positive Veränderung in der Welt zu erreichen", erklärt Fabio.

Neue Wege gehen!

Als erste Idee sollte ein Tierheim auf Madagaskar gebaut werden. Grundsätzlich schien alles ganz einfach, doch steckte der Teufel im Detail, und als der Widerstand zu groß wurde, schauten sich die beiden "vor der Türe" in Rumänien um. Denn auch hier gibt es extrem viele heimatlose, streunende Hunde, die von Hundefängern eingesammelt und in Tötungsstationen gebracht werden.

Fabio und Luis reisten nach Rumänien und lernten dort Mirela Mistodinis kennen, die ca. zwei Stunden von Bukarest entfernt ein privates Tierheim leitet. Die 46-jährige Rumänin kümmert sich dort gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Ehemann um rund 120 heimatlose Hunde. Zurück in Deutschland fingen die beiden an, ihre Ersparnisse zusammenzuwerfen und ließen Freundschaftsarmbänder produzieren. Die "Hunderunde-Armbänder" wurden - und werden immer noch - über einen Shop angeboten und durch Social-Media-Aktivitäten beworben. "Durch den Kauf eines Armbandes sichert der Spender, bzw. die Spenderin einem Hund in lebensbedrohlicher Situationen eine Woche lang das Überleben", berichten die beiden jungen Tierschützer. Mittlerweile hat sich der Einsatz der beiden Freunde ausgezahlt - zwischen 300 und 400 Euro konnte jeden Monat nach Rumänien überwiesen werden.

Ich finde, dass Luis sich viel liebevoller mit mir beschäftigt, seitdem er die "Hunderunde" ins Leben gerufen hat."

Fredda

Magyar Vizsla, 7 Jahre alt

Der Tierschutz geht weiter ...

Vor einigen Monaten dann haben Fabio und Luis eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, um Mirela Mistodinis ein neues Zuhause für ihre Hunde bauen zu können. Die beide suchten und fanden mit der "Tierschutzgruppe - Herzensmenschen" aus Celle einen Partner und schafften es tatsächlich, die finanziellen Mittel zu besorgen, um nun das gewünschte Haus-Shelter in der Nähe von Focsani in einem unbewohnten Agrar-Gebiet bauen zu können. "Wenn viele Menschen zusammenkommen, kann man auch mit kleinen Dingen Großes bewirken", erklärt Fabio stolz und berichtet, dass die Hunde bald auf 8000 Quadratmeter ein herrliches Leben führen können. Der Einzug ist für Herbst 2020 geplant.

Auch der Shop, der die Spendenquelle Nummer 1 ist, soll sich weiterentwickelt werden. Dafür haben die beiden Julia mit ins Boot genommen, die neue Impulse gibt und weitere Produkte entwickelt. So werden neben den beliebten Armbändern bald auch T-Shirts, Hoodies und Produkte für Hunde angeboten. So wird die Hunderundenbewegung weiter befeuert.

Hunderunde schreibt ein Buch!

Luis und Fabio schreiben gerade an einem Buch, in dem die vielen Geschichten nachgelesen werden können, die die beiden Hundeschützer in den vergangenen Monaten erlebt haben. Darüber hinaus erzählen auch einige Gastautoren spannende Stories ihrer Tierschutzhunde. Wenn alles gutgeht, erscheint das Buch im August dieses Jahres. Die Gewinne fließen zu 100 Prozent in das Kastrationsprojekt in Rumänien. Mit dem Geld sollen die Straßenhunde kastriert werden, um die Population klein zu halten. "Das ist ein sehr wichtiges tierschutzrelevantes Projekt", erklären die beiden Hundefreunde.

Genau zwei Stunden erreichen wir wieder den Ausgangspunkt unserer Hunderunde. Im Normalfall kann man hier im Biergarten eine Limo trinken, im italienischen Eiscafé ein Spaghettieis in der Sonne genießen oder sich mit einer Carbonara bei der Familie Leone im "Ristorante Da Pino" stärken - doch in den Coronazeiten, in denen man sich lediglich im gebührenden Abstand miteinander unterhält, sind diese Einkehrmöglichkeiten leider geschlossen. So hätten wir uns auch liebend gerne zum Abschied in den Arm genommen, doch blieb es bei einer herzlichen Verabschiedung auf Abstand. Spätestens jedoch, wenn das Hunderunde-Buch erscheint, kommt es zu einem weiteren Treffen - und dann holen sowohl die Umarmung als auch die gemeinsame Limo nach. Versprochen!

Redaktionsunterstützung: Jule Franziska Moll