"Zuckerkrankheit" beim Hund

Portrait Initiative Kleintiergesundheit des BfT e.V.
von Initiative Kleintiergesundheit des BfT e.V. – 26.09.2019

Die schlechte Nachricht zuerst: Etwa ein Prozent der Hunde und Katzen in Deutschland sind zuckerkrank – Tendenz steigend. Die gute Nachricht: Frühzeitig erkannt, lässt sich die „Zuckerkrankheit“ recht gut therapieren. Wer die Symptome richtig deutet und rechtzeitig zum Tierarzt geht, verhilft dem betroffenen Tier zu einem nahezu beschwerdefreien Leben.

Ihr Hund trinkt ungewöhnlich viel und setzt dabei häufig Urin ab? Vielleicht will das Tier auch ununterbrochen fressen, nimmt aber gleichzeitig dabei ab? Das Fell wird stumpf, das Tier apathisch? Das alles sind ernstzunehmende Symptome, die auf eine der häufigsten hormonell bedingten Krankheiten beim Hund hinweisen können: der Diabetes mellitus. Am häufigsten sind Tiere an der Schwelle des Seniorenalters betroffen. Tiere, die zu viel Speck auf den Rippen haben, sind ebenfalls Risikopatienten. Bei Hunden erkranken am häufigsten die Rassen Dackel, Beagle, Zwergschnauzer und Pudel, aber auch größere Rassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever sind betroffen.

Diabetes ist nicht gleich Diabetes

Diabetes ist nicht gleich Diabetes, da der Krankheit unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Untersuchungen haben gezeigt, dass 25 bis 50 Prozent der erkrankten Katzen unter einem reversiblen Diabetes leiden, der bei entsprechender Therapie nach einigen Wochen wieder verschwindet. Voraussetzung ist eine frühzeitige Diagnose.

Hunde leiden ausschließlich am Diabetes Typ 1, Hündinnen erkranken häufiger als Rüden. Die Ursache für Typ 1 ist ein Insulinmangel, weil die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse ihre Funktion verlieren. Es wird zu wenig Insulin gebildet, es herrscht somit ein absoluter Insulinmangel. Bei manchen Hunden greift das eigene Immunsystem die Insulinzellen an, auch Erb- und Umweltfaktoren können eine Rolle spielen. Ein Hund mit Diabetes mellitus hat außerdem ein höheres Risiko für Begleiterkrankungen, zum Beispiel eine Trübung der Augenlinse (Grauer Star) oder Veränderungen der Netzhaut des Auges.

Die für den Tierhalter wahrnehmbaren Symptome für beide Diabetes-Typen sind für Hund und Katze nahezu gleich. Bei Verdacht wird der Tierarzt zunächst eine gründliche Untersuchung durchführen und die Blutzuckerwerte im Urin messen. Bei älteren Tieren sollte das grundsätzlich zur Vorsorgeuntersuchung dazu gehören. Bei Risikopatienten ist ein Blutglukose-Screening möglich. Die medizinische Behandlung, sprich die regelmäßige Insulingabe, kann der Tierhalter nach entsprechender Einweisung selbst übernehmen. Die Therapie kann mit speziellen Futtermitteln, die auch beim Tierarzt erhältlich sind, unterstützt werden.