Rieka Beewen - "Wangerooge, meine Insel!"

Portrait Andreas Moll
von Andreas Moll – 12.09.2018

Von der Gelassenheit der Insulaner könnte sich so mancher Städter mindestens eine Scheibe abschneiden. Wenn man Rieka Beewen nach dem Wetter fragt, sagt sie das Regenende auf die Minute exakt voraus. "Ich hole Dich um 15 Uhr ab", sagt die Insulanerin. Man duzt sich auf Wangerooge - so ist das eben. Das macht die Kommunikation direkter und dadurch wesentlich einfacher. Nach kürzester Zeit fühlt sich der Urlauber als Teil der Inselfamilie.

Rieka Beewen ist eine waschechte Insulanerin. Sie wurde als Friesin vor gut einem Vierteljahrhundert geboren, ist auf der Insel aufgewachsen und zur Schule gegangen. In Oldenburg ist sie auf die weiterführende Schule gegangen und hat in Wilhelmshaven Touristikwirtschaft studiert. Den ersten Job trat sie an der Kurverwaltung ihrer Heimatinsel an, kümmert sich um die Vermarktung der Insel und sorgt dafür, dass die Menschen auf Wangerooge aufmerksam werden. "Man kann nur das vermarkten, das man kennt und liebt", sagt sie und kann sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen.

"Im Sommer könnten wir die Insel dreimal belegen, so sehr lieben die Touristen Wangerooge", erklärt die Insulanerin, "dann begrüßen wir hier in Spitzenzeit bis zu 10.000 Gäste. Doch auch im Rest des Jahres hat die Insel ihre Vorzüge. Für Hundebesitzer beispielsweise ist die Zeit vom 1.11. bis 14.3. ideal, wenn die Vierbeiner in der Stadt und am Strand frei und unangeleint herumlaufen dürfen. Lediglich im Nationalpark - in den Dünen und im Watt - müssen die Tiere an der Leine geführt werden.

5 Dinge, die man auf Wangerooge auf jeden Fall gemacht haben muss!

Der alte Leuchtturm mit seinen 161 Stufen muss auf jeden Fall bestiegen werden (Hunde müssen jedoch unten warten und dürfen nicht mit nach oben). Ebenso sollte der Westturm - ebenfalls ohne Hund - erklommen und die Aussicht über die Insel genossen werden (Schlüssel bitte beim Hausmeister abholen). Die Kombination aus Cocktail an der Promenade & Sonnenuntergang ist ein MUST-HAVE (die Getränke können übrigens auch an den Strand mitgenommen werden). Ein Inselbesuch ohne Wattwanderung geht gar nicht! Und last-bust-not-least ist ein Inseltag ohne ein Fischbrötchen einfach nicht denkbar!

On the beach ...

Tatsächlich ist es trocken, als es auf die Hunderunde am Wangerooger Hundestrand geht. Vor der Runde jedoch - darauf besteht Rieka - führt der Weg direkt zum Fischhändler ihres Vertrauens, um ein leckeres Krabbenbrötchen zu essen - natürlich mit Kräutermayonnaise. In diesem Moment gibt es nichts Besseres. OK, für die Hunde schon, denn die schauen bei diesem Programmpunkt in die Röhre. Die Hunde warten geduldig auf die ausstehende große Sause am Strand von Wangerooge. "Wir gehen jetzt um den Pudding", sagt die Insulanerin, "so nennt man hier einen Inselspaziergang." Vorbei führt die Runde am Café Pudding, einem ehemaligen Bunker, rechts entlang an der Promenade in Richtung Osten. Gut 1,5 km weiter stehen die letzten zum Hundestrand gehörenden Strandkörben - bis dahin bleiben die Hunde an der Leine. Wenn die letzten Strandkörbe passiert sind, dürfen die haarigen Freunde endlich frei laufen. Endlich!

Ich brauche täglich meine Portion Nordsee!"

Anton

Labrador, 1 Jahr jung

Abenteuer Hundestrand

Der Hundestrand, der am östlichen Ende des Bade- und Burgenstrandes liegt, ist wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Die Hunde rasen mit einer irren Geschwindigkeit durch den hellen Sand, raufen und vollführen atemberaubende Ringkämpfe. Für die Tiere ist es ein großer Spaß, der sofort auf die Hundebegleiter übergeht. Stressgefahr besteht kaum. Obwohl "Anton" Riekas erster Hund ist, kann sie ihren fast einjährigen Labrador sehr gut einschätzen. Sie weiß, dass ihr Hund Wasser liebt und keine Gelegenheit auslässt, sich als Seehund zu gebärden. Freundlich begrüßt der stürmische Junghund alle Artgenossen am Strand. Im Schlepptau hat er den Gästehund aus Köln, der sich mit Anton stark und nach kurzer Zeit schon zu Hause fühlt. Als eine Gruppe Reiter entgegen kommt, werden die Hunde zur Sicherheit an die Leine genommen. Der Ausgang eines möglichen "Räuber & Gendarm-Spiels" ist ungewiss und würde sicherlich keinem der Beteiligten Freude bereiten. 

Freude bereitet jedoch auf dem Rückweg im Restaurant "Strandlust" an der Strandpormenade einen Becher mit Frozen Joghurt, das extra für Hundemägen konzipiert wird. "In der Hauptsaison gibt es wieder Hundeeis in vielen Geschmacksrichtungen", erklärt der Kellner. An diesem Tag bleiben zwei: Banane-Apfel für Inselhund Anton, Käse für Urauberhund Pepples. Typisch norddeutsch ist das Getränk für die beiden Menschen, die ein frisch gezapftes, friesisch-herbes Jever genießen, die Strandrunde Revue passieren lassen und über die Vorzüge der Insel sprechen.

Warum zieht es die Touristen auf die Nordseeinsel Wangerooge?

Für Rieka ist das klar und nennt die fünf wichtigsten Gründe, die die Gäste jüngst bei einer Befragung genannt haben : 1. Ruhe - 2. Natur - 3. Erholung - 4. Zeit für Familie & Freunde - 5. Thalasso-Wellness. Es gibt sehr, sehr viele Familien, die die Insel schon über Generationen hinweg besuchen. "Irgendetwas passiert in den Köpfen der Kinder, die das erste Mal mit ihren Großeltern Urlaub auf der Insel machen", sagt Rieka. Diese Kinder kommen ebenso wieder, wie die vielen, vielen Schulklassen, die besonders in der Nachsaison ihre meist ersten Inselerfahrungen machen. Für Nachwuchs ist scheinbar gesorgt.

Umweltbewusstsein schulen

"Wir sind stolz, dass wir hier auf unserer Insel mitten am Wattenmeer, das im Jahre 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde", weiß Rieka. "Hier rasten jedes Jahr Millionen Zugvögel auf ihrer Reise in die Winter- und Sommerquartiere und finden im Watt die notwendige Nahrung." Sechs ausgebildete WattführerInnen klären bei den geführten Wanderungen durch diese spannende Landschaft auf und leisten so aktiven Umweltschutz.

Auch mit weiteren Maßnahmen tragen die Wangerooger ihren Teil zum Umweltschutz bei. "Wir versuchen so gut wie möglich, Plastikmüll zu vermeiden und somit etwas für den Umweltschutz zu machen.". Seit einigen Jahren wird für den umweltbewussten Inseleinkauf der wiederverwendbare Wangerooge-Stoffbeutel produziert, den es bei fast allen Einzelhändlern auf der Insel gibt. Jedes Jahr wird der mit einem neuen Motiv produziert. Seit kurzer Zeit bieten wir zudem den Hundehaltern eine Alternative zu den Plastik-Kotbeuteln an. Mit "PooPick", das aus Pappe besteht und komplett kompostierbar ist, kann der Hundekot kontaktlos aufgenommen und später im Mülleimer entsorgt werden. Ein kostenloses Exemplar erhält jeder Hundehalter am Ticketschalter der Bahn, bevor er die Insel betritt. Eine 25er Box kann dann für € 7,99 im Büro der Kurverwaltung gekauft werden. "Wir gehen mit gutem Vorbild voran und hoffen, dass möglichst alle Hundehalter unserem Beispiel folgen."

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es woanders so schön ist wie hier auf meiner Insel."

Anton

Labrador, 1 Jahr jung

Was bringt die Zukunft ?

Für die Zukunft steht das Thema Saisonverlängerung im Fokus, deswegen werden auch dringend weitere Hotelkapazitäten und die Erweiterung unserees Wellnessangebotes benötigt. Rieka wünscht sich zudem ein Freilaufareal für Hunde, so dass sich besonders in der Hauptsaison der freie Hundeauslauf nicht nur auf den Hundestrand konzentriert. "Das bedeutet mehr Entzerrung und weniger Stress unter den Hundehaltern!"

Für die Urlauber und Inselbesucher sollte sich ihrer Meinung nach eher nichts ändern, denn die schätzen die Ruhe und das Gewohnte. Da die Insel jedoch zu 100 Prozent vom Tourismus lebt und sich im stetigen Konkurrenzkampf mit anderen Urlaubszielen befindet, sollte sich Wangerooge ihrer Meinung nach nachhaltig entwickeln und gleichzeitig die geschätzte Ruhe erhalten bleiben. Man darf gespannt sein, was sich in Zukunft alles tut. Rieka wird über alles Neue informieren.


Lest auch den Erfahrungsbericht von Andreas Moll, der im September 2018 gemeinsam mit seiner schwarzen Hündin "Pepples" die nordfriesische Insel besuchte: Wangerooge: "Die schönste Hundewiese der Welt"