"Detox" bei Hund und Pferd - Hype oder hilfreicher Ansatz?

Die Biotransformation ist bekanntlich ein biochemischer Prozess, bei dem Substanzen durch Enzyme in einem lebenden Organismus chemisch umgewandelt werden. Dieser Prozess dient der Entgiftung und Ausscheidung von körpereigenen Stoffwechselprodukten sowie körperfremden Substanzen (Xenobiotika) wie Medikamenten, Toxinen und Umweltchemikalien. Das Hauptziel der Biotransformation ist es, lipophile Substanzen in hydrophile Verbindungen mit dem Ziel der Exkretion umzuwandeln. Ohne die Biotransformation können sich fettlösliche Substanzen im Körper anreichern und toxische Wirkungen entfalten. Das zentrale Organ für die Biotransformation ist die Leber, da sie über die notwendigen Enzymsysteme verfügt. Andere Organe wie Nieren, Lunge und der Darm inkl. Darmmikrobiota sind beteiligt.

Hauptphasen der Biotransformation

In Phase I (Funktionalisierung) werden funktionelle Gruppen an die Substanz gekoppelt, um deren Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. Wichtige Reaktionen sind Oxidation, Reduktion und Hydrolyse. Die modifizierte Substanz wird in Phase II an eine gut wasserlösliche, körpereigene Verbindung, z.B. Glucuronsäure, gekoppelt (Konjugation). Eine Phase III wird für den Transport aus den Hepatozyten in die Caniculi biliferi und den Glutathionabbau beschrieben.

Toxine in der Tierhaltung

In der Haltung von Kleintieren gibt es in der häuslichen Umgebung verschiedene Umweltgifte und Toxine. Bestimmte Lebensmittel (Schokolade, Avocado, Trauben etc.), Chemikalien (Schneckenkorn, Rattengift, Desinfektionsmittel etc.) oder Zimmerpflanzen wie Lilien, Azalee, Dieffenbachie usw. können eine Gefahr darstellen. In der Pferdehaltung sind Jacobskreuzkraut, Bergahorn & Co. ein ernstes Gesundheitsrisiko für die Tiere. Aspergillus, Penicillium, Fusarium, Alternaria sind häufige Produzenten von schädlichen Mykotoxinen in Heu und Heulage.

„Detox-Kur“ für den Wuff?

Ursprünglich der Suchtmedizin entlehnt, wurde der Begriff "Detox" (Entgiftung) von Schauspieler:innen in Hollywood etabliert. Er bezieht sich auf Maßnahmen, die den Körper von „Schlacken“ und Giftstoffen befreien, die sich durch ungesunde Ernährung, Umweltbelastungen und Stress angesammelt haben sollen. Das Ziel ist die Anregung der Ausscheidungsfunktion mit speziellen Präparaten. Heute ist es modern und trendy auch seinen Vierbeiner zu „entgiften“, meist ohne Voruntersuchung und Beratung durch die Haustierarztpraxis. Die Wirksamkeit von "Detox"-Kuren und -produkten ist, wie in der Humanmedizin, wissenschaftlich nicht gesichert. Jedoch werden Belastungen durch Zusatzstoffe im Futter, Dosenbeschichtungen, Medikamente im Trinkwasser, Wohngifte, Abgase, Feinstaub etc. befürchtet. Für Hunde- und Katzenspielzeug existieren tatsächlich keine gesetzlichen Grenzwerte: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Bisphenol A, Phthalate etc. können vorhanden sein. Als Auslöser der felinen Hyperthyreose werden Flammschutzmittel in Teppichen und Möbeln (PBDE) sowie Dosenbeschichtungen (Bisphenol A) diskutiert. Aus der Fürsorge heraus, erfolgt die Gabe von Präparaten oft unbedacht. In der Praxis wurden einige Hunde vorgestellt, deren Allgemeinbefinden sich durch die zeitgleiche Anregung von Darm, Leber, Niere und Pankreas verschlechtert hatte, bei neu aufgetretenen Hautirriationen.

Huminsäuren

Huminsäuren entstehen beim Abbau von abgestorbenen organischen Materialien durch Mikroorganismen, im Laufe von Jahrmillionen auch unter Druck und Temperatur (Humifizierung). Dieser Prozess führt zur Bildung komplexer, hochmolekularer Substanzen, die in Böden, Torf und Braunkohlenvorstufen vorkommen. Es war Prof. Kühnert aus der Pharmakologie in Leipzig, der diese einzigartige Substanz entdeckte und erste (zugelassene) Tierarzneimittel in den 60er Jahren auf den Markt brachte. Die gut untersuchten Huminsäuren WH67® liegen in höchster Reinheit und Konzentration vor. Sie besitzen die besondere Fähigkeit Toxine und Schadstoffe fest an sich zu binden. Anders als übliche Toxinbinder, bewegen sie sich hierbei ausschließlich auf dem Darmepithel und gleiten tief zwischen Zotten bis in die Darmkrypten. Im Darm befindliche Toxine und Schwermetalle werden biochemisch fest gebunden und über den Kot ausgeschieden, oft bevor eine schädigende Wirkung eintreten kann. Die Adsorption beruht auf Chelatbildung und dem Ionenaustauschprinzip.

Die Bindung lipophiler Pestizide und Herbizide wie Dichlordiphenyltrichlorethan (Handelsname DDT®), y-HCH (Handelsname Lindan®) oder Pentachlorphenol (PCP) an Huminsäuren ist seit langem beschrieben. Orale Fütterungsexperimente mit Parathion (Handelsname E605®) an Ratten zeigen, dass WH67®-Huminsäuren die induzierte AChE-Hemmung durch komplexe Bindung deutlich reduzieren. Monika Krüger (Leipzig) hat die hohe Absorption von Glyphosat untersucht und belegt, dass die antibakterielle Aktivität gegen die physiologische Standortflora im Darm neutralisiert wird. Unter Applikation von Huminsäuren WH 67® ist zudem die verstärkte Ausscheidung von Glyphosat über den Urin nachgewiesen. Untersuchungen belegen diese adsorptiven Eigenschaften auch für Warfarin, Nitrat / Nitrit und Fluorid. Huminsäuren reduzieren die Aflatoxinbelastungen der Leber, die induzierte Immunsupprimierung wird gehemmt. Für Zearalenon sind die absorbierenden Eigenschaften der Huminsäuren besonders gut gezeigt. Huminsäuren binden toxische Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium und Blei abhängig vom Quotienten aus Ionenradius und Ladungsdichte. Die Aufnahme von Mineralstoffen wie Magnesium nimmt zu (ergotrope Wirkung). Spurenelemente bleiben, wichtig für die Fütterungspraxis, praktisch unbeeinflusst. Auch die Adsorption bakterieller Toxine ist gut untersucht. E. coli-Endotoxin wird zu 82 % neutralisiert. Huminsäuren reduzieren die schädlichen Auswirkungen von Endotoxinen (LPS). Für chronisch nierenkranke Patienten ist die Harnstoffabsorption im Darm eine begleitende Therapiemöglichkeit.

Leberschutz

Im Hinblick auf Leberschutz- und Regeneration hat hier auch die Mariendistel (Carduus marianus) ihren Platz. Gleich zwei neuartige Ergänzungsfuttermittel (G-Biotrax-Verfahren) weisen eine bis 10fach erhöhte Bioverfügbarkeit auf (an Nutztieren untersucht). Die wichtige Phase II der Biotransformation wird gezielt unterstützt (Canihepar® für Hunde). In minimalen Dosierungen verabreicht, zeigen sich in der Praxis der Autorin erste, deutliche Effekte nach 2-3 Tagen.

Take Home Message

Huminsäuren WH67® (WH Pharmawerk Weinböhla) sind sehr gut verträglich und können zur Entlastung des enterohepatischen Kreislaufs sowie zur Entfernung körperfremder Substanzen und Toxine aus dem Darm einen intensiven Beitrag leisten. Darüber hinaus sind ihre antiphlogistischen, antimikrobiellen, immunmodulierenden und schleimhautschützenden Eigenschaften an vielen Tierarten untersucht und belegt. Mariendistel forte für Pferde und Canihepar® für Hunde (Tierarzt24) bieten neue Therapieansätze für die Leber.