#rabbitfriendly - Zertifizierung für Kleintierpraxen
Beim DVG-VET-Congress in Berlin entstand 2024 eine Idee, die inzwischen konkrete Formen annimmt: Tierärzt:innen aus dem Bereich der Kleinsäugermedizin haben sich zusammengeschlossen und den gemeinnützigen Verein #rabbitfriendly gegründet. Das Ziel: Die medizinische Versorgung von Kaninchen in tierärztlichen Praxen und Kliniken soll strukturierter, sichtbarer und langfristig besser werden. An der Spitze des Vereins stehen mit Dr. Diana Ruf und Dr. Anna Draschka zwei Kolleginnen, die vielen Tierärzt:innen bereits aus der Heimtiermedizin bekannt sind. Gemeinsam mit weiteren Mitstreiter:innen verfolgen sie ein Ziel, das weit über einen freundlichen Umgang mit Kaninchen hinausgeht. Denn #rabbitfriendly bedeutet aus ihrer Sicht nicht nur ruhiges Handling oder stressarme Abläufe, sondern vor allem evidenzbasierte, strukturierte und fachlich sichere Medizin.
Engagement und Versorgungsrealität
Wer regelmäßig Kaninchen behandelt, kennt die Unterschiede im Praxisalltag. Während einzelne Praxen und Kliniken bereits hoch spezialisiert arbeiten, sind Standards in Bereichen wie Notfallversorgung, Narkosemanagement, Zahnmedizin, stationärer Betreuung oder Impfberatung keineswegs flächendeckend etabliert. Hier setzt #rabbitfriendly an. Der Verein möchte Mindeststandards definieren, Fort- und Weiterbildungsangebote entwickeln, SOPs bereitstellen und Wissen niedrigschwellig in Praxen und Kliniken zu bringen. Gleichzeitig soll spezialisierte Kaninchenmedizin sichtbarer werden und gleichfalls Orientierung für Kolleg:innen und Tierhalter:innen geben. Besonders sichtbar wird dieser Anspruch im geplanten Zertifizierungssystem. Geplant ist ein gestuftes Modell mit Bronze, Silber und Gold. Aktuell ist bereits die Bronze-Zertifizierung möglich; Silber und Gold folgen in Kürze und sollen auf die Bronze-Zertifizierung aufbauen und künftig höhere Spezialisierungsgrade abbilden. Für Dr. Anna Draschka ist dabei wichtig, Missverständnisse zu vermeiden: „Eine Zertifizierung bedeutet ausdrücklich nicht: Nur zertifizierte Praxen machen gute Kaninchenmedizin. Wir möchten sichtbar machen, welche Strukturen vorhanden sind und Teams unterstützen, die ihre Versorgung gezielt weiterentwickeln möchten.“
Bronze-Zertifizierung
Interessant ist dabei, dass sich die erste Stufe ausdrücklich nicht nur an spezialisierte Heimtierpraxen richtet. Die Bronze-Zertifizierung soll alltagstaugliche Mindeststandards definieren und richtet sich an allgemein tätige Kleintierpraxen, die regelmäßig Kaninchen behandeln. Geprüft werden unter anderem Fortbildung, Telefontriage, Stressreduktion, Anästhesie- und Analgesiekonzepte, Notfallmanagement, Beratung sowie SOPs und Teamabläufe. Zum Konzept gehört ausdrücklich auch die Fähigkeit, eigene Grenzen zu erkennen und Patienten bei Bedarf gezielt weiter zu überweisen. Gute Basisversorgung und Spezialisierung werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als gemeinsames Versorgungssystem verstanden.
Kleinsäugermedizin ist Teamsport
Auffällig ist außerdem die Rolle der TFAs innerhalb des Projekts. Für die Zertifizierung ist vorgesehen, dass nicht nur tierärztliche Ansprechpartner:innen benannt werden, sondern zusätzlich sogenannte „Rabbit Advocates“ aus dem TFA-Team. Dahinter steht die Überzeugung, dass gute Kaninchenmedizin nicht allein im Behandlungszimmer entsteht. Von der Ersteinschätzung am Telefon über das Handling bis zur Narkoseüberwachung oder stationären Betreuung gibt es täglich viele kritische Situationen, die durch eingespielte Teams geprägt sind.
Entsprechend plant #rabbitfriendly eigene Fortbildungsangebote und kostenlose Onlinekurse speziell für TFAs. Für die Vorsitzenden ist klar: Der Aufbau besserer Strukturen soll ausdrücklich gemeinschaftlich erfolgen und nicht ausschließlich durch wenige Expert:innen getragen werden.„Wir möchten möglichst viele Menschen mitnehmen, Tierärzt:innen, TFA, engagierte Praxisteams und auch Tierhalter:innen. Gute Kaninchenmedizin entsteht nicht allein durch Wissen, sondern dadurch, dass Wissen im Alltag umgesetzt wird“, sagt Dr. Diana Ruf.
Mehr als Zertifizierung: Eine Community entsteht
Die Initiator:innen betonen ausdrücklich, dass #rabbitfriendly nicht in Konkurrenz zur AG Kleinsäuger der DGK-DVG steht. Während die AG wissenschaftlich arbeitet, soll der eigenständige Verein zusätzliche Möglichkeiten schaffen – etwa für umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, Fördermitgliedschaften, Sponsoring, direkte Kommunikation mit Tierhalter:innen oder den Aufbau von Zertifizierungs- und Fortbildungsangeboten. Die Zusammenarbeit mit bestehenden Fachstrukturen bleibt dabei ausdrücklich gewünscht. Gleichzeitig versteht sich #rabbitfriendly zunehmend auch als Plattform zum Mitmachen. Aktuell werden Menschen gesucht, die den Verein bei Kongressen, Messen und Veranstaltungen unterstützen.
#rabbitfriendly-Day in Zirndorf
Ein erster größerer Treffpunkt steht bereits fest: Am Samstag, den 10. Oktober, findet als tierärztliche Fortbildungsveranstaltung mit ATF-Anerkennung der erste #rabbitfriendly-Day in Zirndorf bei Nürnberg statt, und zwar als Hybridveranstaltung mit Teilnahme vor Ort, Livestream und zusätzlicher Aufzeichnung. Der Verein arbeitet derzeit an einer eigenen Buchungsplattform. Geplant sind eine Frühbuchungsmöglichkeit für Mitglieder sowie vergünstigte Teilnahmegebühren. Da die Plätze vor Ort begrenzt sein werden, gilt: zuerst buchen, zuerst teilnehmen.