"Die Wüste lebt!" - Sven Isenberg über Grenzerfahrungen beim Marathon des Sables
Vier Tage, schier endlose Kilometer durch die Sahara. Temperaturen bis über 47 Grad, kein Schatten, kein Komfort, nur Sand, Wind und ein endloser Horizont. Für viele klingt das nach Extremszenario, für Sven Isenberg nach einer bewusst gewählten Reise zu den eigenen Grenzen. Der Trupanion-Manager hat den legendären Marathon des Sables (MDS) erfolgreich gefinisht und feierte zwei Tage nach dem Zieleinlauf seinen 50. Geburtstag in Marrakesch. „Ich bin erschöpft, aber gleichzeitig geerdet und mit einem klareren Mindset als je zuvor“, sagt Isenberg im Gespräch drei Monate nach dem Lauf auf dem Leipziger Tierärztetag. Der MDS sei kein gewöhnlicher Lauf, sondern ein mentales Experiment unter extremen Bedingungen. „Stabil bleiben, während alles um dich herum an die Grenzen geht – das ist die eigentliche Herausforderung.“
Isenberg kommt aus dem Ausdauersport, hat Triathlon-Distanzen absolviert und sucht bewusst nach neuen Herausforderungen. „Ich wollte etwas, das mich wieder physisch und psychisch an meine Grenzen bringt“, erklärt er. In der Sahara lief er insgesamt rund 120 Kilometer in mehreren Etappen. „Man schaut zum Horizont und denkt, der Checkpoint ist gleich da – und braucht dann 45 Minuten bis eine Stunde, um ihn zu erreichen. Diese Dimensionen verändern die Wahrnehmung komplett“, beschreibt er. Temperaturen jenseits der 45-Grad-Marke, Sandstürme und körperliche Erschöpfung machten die Tage zu einer intensiven Grenzerfahrung.
Reduktion auf das Wesentliche
Für Isenberg war die Wüste eine Schule der Reduktion. „Wasser, Rhythmus, Kontrolle und der eigene Kopf. Mehr braucht es dort nicht.“ Gerade diese Einfachheit habe ihm neue Klarheit gebracht: Fokus statt Ablenkung und das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann. "Niemand kann dir sagen, wie lange ein Sandsturm dauert. Du kannst nur akzeptieren, dass er vorübergehen wird. Das gilt in der Wüste – und im Leben.“ Besonders prägend war für ihn die internationale Gemeinschaft der Teilnehmer:innen. „Wenn man tagelang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Sprachen unterwegs ist, verändert das die Perspektive. Sprache formt Denken.“ Leadership bedeute in solchen Situationen vor allem Ruhe zu bewahren: „Manchmal heißt Führung einfach, ruhig zu bleiben, wenn alle anderen überhitzen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.“ Ein bewusstes Ziel des Abenteuers war der digitale Rückzug. „Ich wollte mich vier, fünf Tage komplett offline schalten. Das Telefon habe ich nur für Bilder und Videos genutzt.“ Für jemanden, der beruflich stark eingebunden ist, sei das eine seltene und wertvolle Erfahrung gewesen.
Parallelen zur Tiermedizin
Im Interview schlägt Isenberg auch die Brücke zu seiner beruflichen Rolle bei Trupanion. Er sieht einen wachsenden Zuspruch zur Tierkrankenversicherung und eine steigende Sensibilität bei Tierhalter:innen. „Wir wollen, dass Tierärzt:innen das Thema aktiv ansprechen und dass in Zukunft 20 bis 30 % aller Hunde und Katzen versichert sind. Noch immer sind viel zu wenige Tiere abgesichert – und erhalten dadurch nicht immer die bestmögliche medizinische Versorgung.“
Die Sahara-Erfahrung hat Lust auf mehr gemacht. Isenberg plant bereits die nächste Stufe: die MDS Legends-Version mit 250 Kilometern in fünf Tagen. „Jetzt habe ich Blut geleckt. Mit dem Wissen von dieser Erfahrung wird die nächste Challenge noch einmal anders möglich sein.“