Neues therapeutisches Denken durch Kaltplasma in der Tiermedizin
Matthias Sobotta über den Plasma Jet kINPen® VET, wissenschaftliche Evidenz und warum Kaltplasma in der Veterinärmedizin mehr sein könnte als eine Innovation.
Was Matthias Sobotta an Kaltplasma überzeugt hat, war nach eigener Aussage nicht primär die Technik selbst, sondern die Kombination aus wissenschaftlicher Evidenz, medizinischem Potenzial und dem Eindruck, mit einer Methode zu arbeiten, die in bestimmten Bereichen tatsächlich einen Unterschied machen kann. Als Sobotta vor rund vier Jahren erstmals mit neoplas in Kontakt kam, war Kaltplasma für ihn Neuland. Gerade deshalb näherte er sich dem Thema nicht über Vertrieb oder Produktversprechen, sondern über Veröffentlichungen. Noch bevor er sich intensiver mit dem Unternehmen beschäftigte, recherchierte er eigenständig die wissenschaftliche Literatu, und genau dort sprang für ihn der Funke über. Hunderte Studien, eine ungewöhnlich dynamische Forschungslandschaft und vor allem Ergebnisse, die ihn nachhaltig beeindruckten. Besonders prägend waren für Sobotta Daten aus der Humanmedizin zur Behandlung chronischer, schwer heilender Wunden. Ein Beispiel, das er selbst hervorhob: Bei sogenannten „offenen Beinen“ zeigten Studien unter Kaltplasmaanwendung deutlich bessere Heilungsverläufe im Vergleich zur bisherigen Standardversorgung. Genau diese Verbindung aus Leidensdruck der Patient:innen und realer therapeutischer Perspektive beschreibt Sobotta als zentralen Motivationsfaktor.
Plasma, der vierte Aggregatzustand als medizinisches Werkzeug
Mehr als 95 Prozent der sichtbaren Materie im Universum bestehen aus Plasma, einem ionisierten, elektrisch leitfähigen Gas. Was physikalisch abstrakt klingt, wird mit dem Argon Cold Plasma Jet kINPen® VET zu einer hochpräzisen medizinischen Anwendung für die Tiermedizin. Der Plasma Jet arbeitet kontaktlos, unter visueller Kontrolle und lässt sich unabhängig von Alter, Größe oder Spezies punktgenau einsetzen. Gerade bei empfindlichen Katzenpatient:innen, dermatologischen Indikationen oder schwer zugänglichen Wundbereichen eröffnet diese Präzision neue therapeutische Optionen. Sobotta ergänzt, dass der kINPen® VET antimikrobielle, entzündungsmodulierende und regenerative Effekte kombiniert. Laut Hersteller kann das System Mikroorganismen inklusive multiresistenter Keime effektiv inaktivieren, ohne bekannte Resistenzentwicklungen zu fördern. Gleichzeitig werden Zellproliferation, Mikrozirkulation und Geweberegeneration bis in tiefere Hautschichten stimuliert. Dieser Ansatz geht weit über klassische antiseptische Wundbehandlung hinaus.
Drei Phasen, ein Ziel: Unterstützung physiologischer Wundheilung
Besonders spannend ist der systemische Blick auf den Wundheilungsprozess. Der Plasma Jet kINPen® VET adressiert mehrere Heilungsphasen gleichzeitig:
- Exsudationsphase: antientzündlich, antibakteriell, Keimlastreduktion
- Granulationsphase: Förderung von Zellregeneration, Mikrozirkulation und Gewebeversorgung
- Epithelisierungsphase: Unterstützung regenerativer Prozesse bis hin zum potenziellen Wundverschluss
Damit positioniert sich Kaltplasma nicht nur als „Wunddesinfektion“, sondern als Technologie zur Unterstützung körpereigener Heilungsmechanismen. Sobotta betont im Gespräch mehrfach, dass die Stärke von neoplas in der wissenschaftlichen Tiefe liege. Über 350 Veröffentlichungen, präklinische und klinische Daten sowie regulatorische Standards aus Human- und Veterinärmedizin bilden für ihn den zentralen Unterschied zu vielen anderen Plasma-Angeboten im Markt. Insbesondere das verwendete Edelgas Argon soll eine konstant reproduzierbare Plasmaqualität und maximale Prozesskontrolle gewährleisten. Wissenschaftlich liegt neben der Forschung in der Tumortherapie derzeit ein Schwerpunkt auf dem prophylaktischen Einsatz des kINPen® zur Verringerung der Gefahr von postoperativen Wundheilungsstörungen. Hier liegen bereits vielversprechende Ergebnisse aus Humanstudien vor.
Dermatologie als Türöffner – auch für die Katzenmedizin
In der Veterinärmedizin liegen aktuelle Schwerpunkte insbesondere in Dermatologie, Wundmanagement und Ophthalmologie. Gerade für Katzen, etwa bei chronischen Hautläsionen, schlecht heilenden Wunden oder komplexen dermatologischen Fällen, könnte Kaltplasma perspektivisch ein relevantes Add-on werden. Dr. Christoph Klinger arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit dem System und gilt als einer der prägenden klinischen Anwender (vgl. Fachartikel "Mit Hightech gegen Multiresistenz und Wundheilungsstörungen"). Auch für ihn steht die Kaltplasmatherapie mit dem kINPen® VET exemplarisch für eine Entwicklung, die in der modernen Veterinärmedizin immer relevanter wird: evidenzbasierte Hightech-Verfahren, die antimikrobielle Sicherheit, regenerative Medizin und Praxisnähe verbinden.
Andreas Moll