Digitale Auskultation in der Kleintierpraxis: KI lässt Herzgeräusche früher erkennbar machen

Mit der Einführung von Eko vet+™ | caninebeat® AI hält eine neue Generation der Auskultation Einzug in die tierärztliche Praxis. Das System kombiniert ein digitales Stethoskop-Add-on mit einer KI-gestützten Analyse und zielt darauf ab, Herzgeräusche beim Hund schneller und zuverlässiger zu erkennen. Die Auskultation gehört zu den ältesten diagnostischen Verfahren der Medizin – und gleichzeitig zu den fehleranfälligsten. Studien zeigen, dass Herzgeräusche sowohl bei Welpen als auch bei adulten Hunden nicht selten überhört werden. Gründe sind unter anderem Zeitdruck im Praxisalltag, unterschiedliche Erfahrungsniveaus und individuelles Hörvermögen. Ziel ist es nicht, die klinische Untersuchung zu ersetzen, sondern sie gezielt zu ergänzen – insbesondere in frühen, oft asymptomatischen Stadien.

Fünf Sekunden für eine erste Einschätzung

Kernstück des Systems ist ein Algorithmus, der auf Basis von Daten von über 3.000 Hunden entwickelt und validiert wurde. Beteiligt waren unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Wess (LMU München) mit Prof. Jens Häggström und Assoc. Prof. Ingrid Ljungvall Forscher:innen der SLU Uppsala. Bereits eine etwa fünfsekündige Auskultation genügt, um eine Einschätzung zu erhalten, ob ein Herzgeräusch vorliegt. Ergänzend erfolgt eine Einordnung der Lautstärke sowie unter Berücksichtigung von Alter, Größe und Auskultationspunkt eine erste Verdachtsdiagnose. Für häufige Erkrankungen wie die degenerative Mitralklappenerkrankung (MMVD) liefert das System zudem Wahrscheinlichkeiten für die Stadieneinteilung nach ACVIM-Kriterien.

Mehr als Diagnostik: Kommunikation und Verlauf

Ein praktischer Mehrwert liegt in der Visualisierung: Herzgeräusche können aufgezeichnet, erneut abgespielt und als Kardiophonogramm dargestellt werden. Das erleichtert nicht nur die Dokumentation, sondern auch die Kommunikation mit Tierhalter:innen - insbesondere bei präklinischen Befunden. Auch für Verlaufskontrollen und Überweisungen ergeben sich Vorteile, da die Daten exportierbar sind.

Früh erkennen, länger stabil halten

Die klinische Relevanz liegt vor allem in der Früherkennung. Gerade bei kardiologischen Erkrankungen wie der MMVD oder der dilatativen Kardiomyopathie (DCM) kann ein früher Therapiebeginn den Krankheitsverlauf deutlich beeinflussen. Studien zeigen, dass eine Behandlung im präklinischen Stadium die symptomfreie Phase signifikant verlängern kann.

Fortbildung: Klassische Diagnostik trifft KI

Wie sich digitale Auskultation sinnvoll in den Praxisalltag integrieren lässt, ist auch Thema einer aktuellen Fortbildungsveranstaltung. Im Rahmen des Online-Events „Kardio 360° – von Herzgeräusch bis Hightech“ am 20. Mai 2026 gibt Prof. Dr. Gerhard Wess, Leiter der Kardiologie der Kleintierklinik der LMU München, einen praxisnahen Einblick in die Verbindung von klassischer Diagnostik und modernen, KI-gestützten Verfahren. Für die Teilnahme sind 2 ATF-Stunden beantragt.

Ein praktischer Mehrwert liegt in der Visualisierung: Herzgeräusche können aufgezeichnet, erneut abgespielt und als Kardiophonogramm dargestellt werden. Das erleichtert nicht nur die Dokumentation, sondern auch die Kommunikation mit Tierhalter:innen.

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