Altersassoziierte Sarkopenie bei Katzen

Wenn Katzen altern, muss das nicht zwangsweise mit Erkrankungen einhergehen, jedoch kann es zu zahlreichen Veränderungen bei geriatrischen Katzen kommen. Dabei findet man das Übergewicht bei Katzen durchaus in jedem Alter, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Viel häufiger findet man jedoch bei geriatrischen Katzen einen Gewichtsverlust und eine altersassoziierte Sarkopenie. Hier kann es nicht selten zu verheerenden gesundheitlichen Problemen kommen. Aktive Übungen und Ernährung spielen eine wichtige Rolle in der Therapie.

Altersassoziierte Sarkopenie bei Katzen

Altern bei Tieren und bei Menschen stellt eigentlich keine Erkrankung dar. Uns allen sind jedoch die körperlichen Veränderungen bekannt, die man im Alter erfährt. Bei älter werdenden Katzen kommt es eher zu einem Gewichtsverlust und zu einer altersassoziierten Sarkopenie als zum Übergewicht. Der Begriff Sarkopenie setzt sich aus den beiden griechischen Worten „sarx“ (Fleisch) und „penia“ (Mangel) zusammen. Die allgemeine Definition der Sarkopenie ist einer durch Alter, Krankheit und/oder inadäquate Lebensgewohnheiten verursachtes Syndrom, das im Abbau von skelettaler Muskelmasse in kritischem Ausmaß sowie kritisch abgesenkter Muskelkraft und/oder Muskelfunktionalität besteht. Dagegen beziehen sich andere Definitionen eher auf den altersbedingten Muskelmasseverlust.

Mit vereinfachten Worten lässt sich sagen, dass sie ein geriatrisches Syndrom mit einer kombinierten Abnahme an Muskelmasse, -kraft und -leistung ist. Eine spezifischere Definition ist der Lean Body Mass (LBM), der die Magermasse des Körpers bezeichnet, d.h. das Körpergewicht minus Speicherfett. Zu der Magermasse zählen Muskeln, Organe, Knochen, Wasser, Sehen, Bänder, Nerven u.a.. Sie hängt vom Alter, Geschlecht und dem individuellen Fitnesszustand ab. Bei jüngeren Katzen ist der LBM höher als bei älteren Artgenossen, da sie mit zunehmendem Alter Muskelmasse verlieren. Relevant wird dieser Verlust an Muskelmasse, -kraft und -leistung erst dann, wenn er sich im Alltag bemerkbar macht. Sie tritt in unterschiedlichem Ausmaß auf und kann zu einer funktionellen Einschränkung führen. Die Folgen können recht vielfältig sein. Bedingt durch eine geringere körperliche Aktivität, des Gewichtsverlusts und einer verminderten Muskelkraft scheint die Sarkopenie eng mit der Gebrechlichkeit verknüpft zu sein und kann sogar die Lebensqualität deutlich einschränken. Die Folge sind eine reduzierte Ganggeschwindigkeit, Kraftlosigkeit und Erschöpfung - dies führt wiederum zu noch mehr Bewegungsmangel. Somit kommt es zu einem Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt. Die Pathophysiologie und Pathogene sind noch nicht ganz geklärt. Jedoch zeigt sich hier eher einen Verlust der Muskelfasern, wobei die schnell agierenden Fast Twitch Fibers (Typ-II-Muskelfasern) eher betroffen sind. Ebenso ist die Synthese der Muskelfasern verlangsamt und der Abbau eher beschleunigt. Darin unterscheidet sie sich auch von der Kachexie und der körperlichen Inaktivität (Immobilisationssyndrom), bei der jeweils entweder Abbau oder Aufbau beeinträchtig sind. Somit kann man sagen, dass die meisten kachektischen Tiere auch sarkopenisch sind, aber nicht alle sarkopenischen Tiere sind auch kachektisch. Dieses geriartische Syndrom wurde nicht nur beim Menschen beobachtet sondern auch bei Katzen und Hunden.

So zeigen ungefähr 15 % der geriatrischen Katzen ab einem Alter von 12 Jahren schon einen Gewichtsverlust, der bei Katzen über 15 Jahren auf das 15-Fache ansteigen kann.

Unabhängig vom Gewichtsverlust verlieren diese Katzen im zunehmendem Alter an LBM (Lean Body Mass/fettfreie Körpermasse). Dieser altersassoziierte Verlust von LBM ist nicht immer auf eine Krankheit zurückzuführen. Vielmehr tritt sie langsam über Jahre hinweg auf und wird erst im späteren Leben deutlich. Nicht selten wird der Verlust von LBM durch die Zunahme der Fettmasse ausgeglichen. Dies führt zu geringen bis gar keinen Veränderungen des Körpergewichtes. Den Verlust von LBM finden wir aber nicht nur bei Katzen, sondern auch bei Menschen und Hunden. Es konnte gezeigt werden, dass Katzen in einem Alter von 15 bis 17 Jahren einen Verlust von 33 % LBM aufweisen. Die Datenlage zeigt nicht nur, dass die Lebenserwartung dadurch deutlich sinkt, sondern dass sie auch offenbar der Krankheitsdiagnose vorausgeht. Deswegen sollten alternde Katzen einer gründlichen Ernährungsuntersuchung unterzogen werden, die nicht nur die Veränderung des Körpergewichts erfasst, sondern auch eine Bewertung der Muskulatur einbezieht.

Ursachen der Sarkopenie

Die Pathogene der Sarkopenie ist noch nicht genau geklärt. Die wichtigsten Ursachen der Sarkopenie sind eine verminderte und proteinarme Ernährung und eine verminderte körperliche Aktivität im zunehmenden Alter. Daneben können chronische Erkrankungen und ein erhöhter Cortisolspiegel den Zustand der Muskeln deutlich verschlechtern. Ebenso haben niederschwellige Entzündungen im Alter (Low Grad Inflammation) mit einem chronischen Anstieg der entzündlichen Zytokine und eine verschlechterte Muskelinnervation durch den degenerativen Verlust von Motoneuronen im Rückenmark einen negativen Einfluss auf die Muskulatur. Auch sinkt die Fähigkeit des Körpers, den oxidativen Stress zu bewältigen. Einen zusätzlich negativen Einfluss auf die Muskulatur hat die unzureichende Aufnahme von Proteinen und Kalorien, eine veränderte anabole Reaktion auf Aminosäuren und Insulin, der veränderte Proteinumsatz mit einer verminderten Proteinsynthese und einem erhöhten Proteinkatabolismus. Von dem Verlust der Muskelmasse, -kraft und -leistung sind vor allem die schnell agierenden Typ-II-Muskelfasern betroffen. Hier zeigen sich strukturelle Veränderungen. So kann die Synthese der muskulären Proteine vermindert sein, die die kontraktilen Proteine (Myosin Heavy Chain) betreffen. Dadurch kommt es zu einem Verlust an Muskelkraft. Ebenso vermindert sich die Aktivität der mitochondrialen Enzyme und die Muskeldurchblutung (Kapillarisierung vermindert). Der inter- und intramuskuläre Fettgehalt nimmt zu (Tab. 1).

Somit ist die Sarkopenie ein multifaktorielles und recht komplexes geriatrisches Syndrom. Eine frühzeitige Diagnose der beginnenden oder vorhandenen Sarkopenie mit der entsprechenden Therapie der angehbaren Ursachen (verminderte und proteinarme Nahrungsaufnahme und verminderte körperliche Aktivität) sind hier entscheidend.

Ursachen der Sarkopenie."

Andrea Földy, Tierarztpraxis für chinesische Medizin

Diagnostik der Sarkopenie

Eine rechtzeitige Diagnostik der Sarkopenie bei Katzen und Hunden ist entscheidend, da eine frühzeitige Therapie eingeleitet werden kann. Neben der allgemeinen, orthopädischen und neurologischen Untersuchung sollten wir bei alternden Katzen die Ernährung, den Body Score Index (BCS), den Body Fat Index (BFI), den Muscle Score (MCS) und die Blutdruckmessung mit der High Definition Oszillometrie (HDO) beurteilen. Zusätzlich eignet sich die Messung des Muskelumfang, um den Zustand der betroffenen Tiere beurteilen zu können. Anhand dieser Untersuchung kann ein sinnvoller und individueller Therapieplan ausgearbeitet werden.

Body Score Index (BCS/BFI)

Die Bewertung des Body Score Index (BCS) dient zur Einschätzung der Körperfettmasse durch Abtasten und die visuelle Beurteilung. Diese sollte in jeder Untersuchung des Körpers miteinbezogen werden. Dabei unterscheidet man zwei Arten von Skalen: die 5-Punkte-Skala bzw. die 9-Punkte-Skala. Dabei gibt Punkt 1 bei beiden den Zustand der Kachexie an, Punkt 5 oder 9 stehen für eine übergewichtige Katze. Jeder Punkt auf der BCS Skala entspricht ungefähr 1 % an Körperfett. Unter idealen Bedingungen weisen Katzen einen Anteil an Körperfett von ca. 15 bis 25 % aus. Bei übergewichtigen Katzen kann dieser Wert sogar über 45 % Körperfett betragen. Der BCS bzw. BFI (Body Fat Index) dient auch zur Veranschaulichung und kann bei der Kommunikation mit den Tierbesitzer:innen sehr hilfreich sein. In der Tabelle sind beide Bewertungsysteme gegenübergestellt und sollen die Bewertung vereinfachen (Abb. 2).

Muscle condition Score (MCS)

Die Bewertung des Muscle Condition Score (MCS) sollte bei jedem Tier und bei jedem Besuch zusammen mit dem Body Condition Score (BCS) erfolgen. Die Muscle Condition Score wird durch Visualisierung und Abtasten ermittelt. Hierzu eignen sich Wirbelsäule, Schulterblätter, Schädel und Darmbeinflügel. Der Muskelschwund wird in der Regel zuerst in den epaxialen Muskeln auf beiden Seiten der Wirbelsäule festgestellt. An anderen Stellen kann der Muskelschwund jedoch variabel sein. Die Einstufung erfolgt nach normalem, leichtem, mäßigem oder schwerem Muskelschwund. Es ist darauf zu achten, dass Tiere auch dann einen erheblichen Muskelverlust aufweisen können, wenn sie übergewichtig sind (Body Condition Score <5/9). Umgekehrt können Tiere einen niedrigen Body Condition Score (<4/9), aber einen minimalen Muskelverlust haben. Das Abtasten ist besonders bei leichtem Muskelabbau wichtig, aber auch bei übergewichtigen Tieren. Ein Beispiel für jeden Score findet man in der Abbildung hier (Abb. 3).

Messung des Muskelumfangs

Zusätzlich eignet sich auch die Vermessung des Muskelumfangs des Oberschenkels und des Unterarms mittels Maßband mit Zugfeder. Dadurch wird sichergestellt, dass immer der gleiche Zug bei der Vermessung ausgeübt wird. Es sollte an den vorgegebenen Stellen gemessen werden. Darüber hinaus kann diese Vermessung auch hilfreiche Aussagen über den Therapiefortschritt liefern. Durch eine ständige Kontrolle kann die Kräftigung der Muskeln während der Rehabilitation und der aktiven Bewegungsübungen nachvollzogen und dokumentiert werden.

Blutdruckmessung mittels HDO

Bei Katzen mit einer Sarkopenie muss das Gewicht nicht immer verändert sein. Durch den Verlust an Muskelmasse kann jedoch der Anteil an Fettgewebe steigen. Dabei nimmt das viszerale und das intramuskuläre Fett eher zu. Das Fettgewebe ist auch ein endokrines Organ. Es setzt neben den freien Fettsäuren auch die sog. Adipoztokine (= Adipokine) frei. Dabei handelt es sich um endokrin aktive Proteine, die mehr als 100 Adipokine beschreiben. Sie haben sowohl eine entzündungsfördernde als auch eine entzündungshemmende Wirkung im Körper. Zu ihnen zählen zum Beispiel Adiponektin, Leptin, Angiotensinogen, Angiotensin II, IL-6, TNF-α, IGF-1 und viele mehr. Leptin wird beispielsweise von den Fettzellen und von den Enterozyten des Dünndarmes gebildet und ist ein Proteohormon. Seine Aufgabe besteht in der Regulierung des Energiehaushaltes, indem es das Hungergefühl hemmt. Dies führt wiederum zu einer herabgesetzten Fettspeicherung in den Fettzellen. Daneben wirkt es auf Zellrezeptoren und dopaminerge Neuronen im Gehirn und vermittelt damit die Nahrungsaufnahme. Bei Übergewicht ist die Empfindlichkeit gegenüber dem Leptin jedoch vermindert, was das Sättigungsgefühl beeinflusst. Trotz erhöhtem Energiespeicher und erhöhtem Leptinspiegel wird das Sättigungsgefühl nicht erkannt. Eine weitere Substanz aus den Fettzellen ist das Angiotensin II, welches sich auf den Blutdruck auswirkt und diesen erhöht. Somit sollte eine Blutdruckkontrolle bei adipösen und/oder geriatrischen Katzen zur Routinekontrolle gehören. Ein dauerhaft hoher Blutdruck wirkt sich negativ auf Retina (Hypertensive Retinopathie), Niere (Glomeruläre Proliferation, Glomeruloskerose, chronische Niereninsuffizienz), Herz (Linksventrikuläre Hypertrophie und das ZNS (Depression, Paresen, Verhaltensveränderungen, Inappetanz, u.a.) aus. Da zum Beispiel eine Inappetenz inkl. Bewegungsmangel die Sarkopenie negativ beeinflussen kann, sollte die Blutdruckkontrolle in Betracht gezogen werden. Zusätzlich kann man mit der Blutdruckmessung mittels HDO auch den Fitnesszustand bei Katzen während der Physiotherapie überwachen und die Übungseinheiten und -zeit entsprechend anpassen. Mit ihr erhalten wir eine recht gute Aussage über das Kreislaufsystem. Die Blutdruckmessung mittels HDO wird in der Regel von den Katzen recht gut toleriert und bietet eine hervorragende diagnostische Möglichkeit.

Therapie der Sarkopenie

Die Therapie der Sarkopenie soll zum Ziel haben, Muskelmasse, -kraft und -leistung zu verbessern. Zusätzlich sollte auch die Koordination trainiert und verbessert werden. Wird die muskuläre Funktion verbessert, steigt damit auch die Lebensqualität. Hierzu eignet sich die Physiotherapie bei Katzen recht gut. Zusätzlich sollte die Ernährung angepasst werden. Die Physiotherapie stellt hier eine wirksame und wichtige Therapie zur Vorbeugung und zur Behandlung einer Sarkopenie dar, da es zu einem Verlust der Muskelfasern kommt. Hiervon sind hauptsächlich die schnell agierenden Muskelfasern des Typ-II betroffen. Durch aktive Übungen werden die Muskeln gestärkt und die Koordination der geriatrischen Katzen verbessert. Dabei sollte man die Übungen auf die jeweilige Katze individuell anpassen und jene wählen, die ihnen spielerisch Spaß machen. Passive Bewegungen, wie PROM- und Dehnübungen, helfen die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern. Zusätzlich steigert sie die Dehnung und Elastizität der Muskeln, Sehen und Bänder. Die Körperwahrnehmung wird insgesamt verbessert. Man sollte übermäßig aggressive Bewegungen der Gelenke vermeiden, da sie Schmerzen bis zu einer vermehrten Fibrosierung des periartikulären Gewebes verursachen können. Für die aktiven Übungen eignen sich Übungen mit dem Propriozeptionskissen, Bällen, Peanutbällen, Donuts, Wackelbrett, „Tanzen“, „Schubkarre“ Cavaletti und die „Häschenposition“. Dabei sollten auf die Toleranz der Katze eingegangen werden (Tab. 3).

Bei geriatrischen Katzen findet man häufig einen Gewichtsverlust und eine altersassoziierte Sarkopenie. Hier kann es nicht selten zu verheerenden gesundheitlichen Problemen kommen. Aktive Übungen und Ernährung spielen eine wichtige Rolle in der Therapie."

Andrea Földy, Tierarztpraxis für chinesische Medizin

Ernährung

Obwohl Bewegung die wirksamste Therapie zur Behandlung einer bestehenden Sarkopenie ist, spielt auch die Ernährung eine große Rolle bei der Entwicklung und Behandlung dieser Erkrankung. Hier scheint die ausreichende Zufuhr von Proteinen, bestimmten Aminosäuren und Vitamin D eine entscheidende Rolle zu spielen. So führt die Zufuhr von Proteinen in Kombination mit körperlicher Bewegung und aktiven Übungen zu den besten Ergebnissen, wie es bei sarkopenischen Menschen gezeigt werden konnte. Zusätzlich sind Nährstoffe wichtig, die dem Stoffwechsel, die Entzündungsmediatoren und den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen. In mehreren Studien konnte bestätigt werden, dass eine unzureichende Proteinzufuhr zu einem vermehrten Verlust an Muskelmasse und/oder Muskelfunktion führen kann. Ebenso ist das Risiko für eine Sarkopenie erhöht. Der Grund dafür ist, dass bei einer unzureichenden Proteinzufuhr Säugetiere allmählich die Proteine aus ihrem Muskelgewebe verbrauchen , um die Stoffwechselfunktion zu unterstützen. Davon ist häufig die Skelettmuskulatur betroffen.

Ernährung, die nur die Mindestanforderungen auf der Grundlage des Stickstoffgleichgewichts erfüllt, liefert nicht genügend Protein. Zur Erhaltung der LBM oder Proteinreserven benötigt man eine etwa dreimal so hohe Proteinmenge wie zur Aufrechterhaltung des Stickstoffgleichgewichts. Bei erwachsenen Katzen waren etwa 34 % der Kalorien oder ca. 5 g Protein/kg KGW nötig, um die LBM aufrechtzuerhalten. Hingegen waren ca. 1,5 g Protein/kg KGW nötig, um die Stickstoffbilanz zu erreichen. Neben dem Gesamtprotein kann auch die Art der Aminosäuren eine entscheidende Rolle beim Proteinumsatz spielen. Das Molkeprotein scheint hier besonders nützlich zu sein, da es reich an verzweigten Aminosäuren (Leucin) ist. Dabei hat Leucin wichtige Wirkungen auf den Proteinumsatz. So reduziert es unter anderem die Proteoplyse und fördert die Proteinsynthese. Das Molkeprotein löst auch die Insulinausschüttung aus, die ebenfalls die Proteinsynthese fördern kann. Neben Leucin kann auch die Aminosäure Lysin Einfluss auf den LBM haben. Lysinmangel führt zu einem erhöhtem Proteinabbau und vermindert die Proteinsynthese im Muskel. Lysin ist, im Verhältnis zum Bedarf, in vielen pflanzlichen Eiweißquellen nur in einer geringen Menge vorhanden. Eine Supplementierung bei einer Ernährung mit einem niedrigeren Gesamtproteingehalt oder bei einer Ernährung, die auf der Grundlage von pflanzlichem Eiweiß basiert, kann besonders wichtig sein. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass eine Erhöhung der Lysinmenge den Verlust an Muskelmasse bei alternden Katzen verringern kann. Diese Menge ist unabhängig vom Gesamtprotein in der Nahrung. Zusätzlich scheint es einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D Wert im Serum und einer erhöhten Prävalenz von Sarkopenie zu geben. Vitamin D beeinflusst die Transkriptionsrate nicht nur von tausenden Genen, sondern auch den Insulinrezeptor. Dieser fördert die Muskelproteinsynthese. Beim Menschen mit einem anfänglich niedrigem Vitamin-D-Serumspiegel konnte durch eine Supplementierung eine Verbesserung der Muskelkraft und Muskelmasse erzielt werden. Zur Zeit liegen keine Daten über die Supplementierung bei Hunden und Katzen vor.

Eine metabolische Azidose wird mit einem vermehrten Proteinkatabolismus, einer negativen Stickstoffbilanz und einem Muskelschwund in Verbindung gebracht. Dabei wird auf der einen Seite die Proteinsynthese durch die Förderung der Insulinresistenz gehemmt und auf der anderen Seite der Muskelproteinkatabolismus über den Ubiquitin-Proteasom-Weg gefördert. Eine Abnahme der LBM ist bei Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung bereits bekannt. Man vermutet hier auch einer Rolle bei anderen Erkrankungen inkl. der Sarkopenie. So scheint eine Therapie der Azidose bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung den Abbau der Muskelproteine zu beseitigen und die Muskelmasse zu verbessern.

Prinzipiell kann das Serumbicarbonat bei Tieren gemessen und damit auch überwacht werden. So könnte man eine Bewertung des pH-Wertes im Blut oder die Blutgase zur Beurteilung des Säure-Base-Haushaltes nutzen, die mit Sicherheit bei alternden Tieren einen Vorteil darstellen könnte. Man wird sehen, was die zukünftigen Forschungen ans Licht führen werden. Eine Supplementierung mit den langkettigen Omega-Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosanhexaensäure sollte erwogen werden. Eine empfohlene Dosierung ist 65 mg EPA + DHA / kg Körpergewicht. Tierärzt:innen können bei Katzen, bei denen das Risiko einer chronischen Azidose besteht, auch eine Ergänzung mit Alkalinisierungspuffern, wie Kaliumcitrat oder Natriumbicarbonat, in Betracht ziehen.

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