Fütterung von Katzen-Senioren

Durch Verbesserung von Gesundheitsvorsorge, Diagnostik und auch diätetischer Maßnahmen erreichen unsere Stubentiger heutzutage oftmals ein stolzes Alter. Dabei ist es natürlich ein besonderes Anliegen von Tierbesitzer:innen und auch Tierärzt:innen, das Auftreten von „Wehwehchen“ im Alter abzumildern bzw. den Eintritt altersbedingter Einschränkungen möglichst zu verzögern und damit sowohl die Lebensdauer als auch die Lebensqualität zu erhöhen. Diesbezüglich spielt die Ernährung der Vierbeiner eine wesentliche Rolle.

Regelmäßige „geriatrische“ Checks

Hierbei ist bei Katzen zu beachten, dass nach eigenen Erfahrungen die Bereitschaft der Tierhalter:innen, die Tiere zu regelmäßigen „Gesundheits-Checks“ in der tierärztlichen Praxis vorzustellen eher geringer ist als bei Hunden, was ggf. auch daran liegt, dass bei Tieren, die nicht gezielt und vorsichtig an Tierarztbesuche gewöhnt wurden, der Stress-Pegel oftmals relativ hoch ist, weshalb etliche Besitzer die Tiere nur bei Notfällen in der Praxis vorstellen. Als Vorsorgemaßnahmen sind jedoch regelmäßige „geriatrische“ Checks empfehlenswert, ab dem Zeitpunkt, an dem das Tier 75 % seines zu erwartendem Lebensalter erreicht hat, um Organveränderung frühzeitig erkennen und therapieren zu können.

Die Definition, wann eine Katze als „Senior“ einzustufen ist, ist dabei in der Praxis nicht immer einfach zu beantworten. Der Alterungsprozess erfolgt in zwei Phasen, wobei der Übergang fließend und natürlich stark von individuellen Faktoren abhängig ist. In der ersten Phase (ab ca. 7 Jahre), in der die Tiere oftmals als „mittelalt“ klassifiziert werden, sind die Symptome eher subtil und das Tier wirkt grundsätzlich noch agil und vital – ggf. werden neben dem vermehrten Auftreten von weißen Haaren („Ergrauen“) bei aufmerksamer Beobachtung des Tieres auch eine geringere Spontanaktivität und ein etwas höheres Schlafbedürfnis erkennbar. Bezüglich der Ernährung steht in diesem Zusammenhang sicherlich die Frage nach einem verändertem Energie- und Nährstoffbedarf im Fokus.

In der zweiten Phase (ab ca. 12 Jahren) werden die Symptome des Alterns markanter – die Sinne werden ggf. eingeschränkt, die Verdauungsleistung sowie die Beweglichkeit sind reduziert und die Spontanaktivität sinkt; oftmals sind die Tiere weniger resistent gegenüber internen und externen Stressoren und auch die Immunkompetenz und die Regenerationsfähigkeit von Geweben sinkt. Da sich viele degenerative Prozesse (zum Beispiel Bewegungseinschränkungen aufgrund von arthrotischen Prozessen) schleichend verstärken, werden diese oftmals vom Besitzer nicht als solche erkannt oder auch dem allgemeinen Alterungsprozess zugeschrieben.

Während bei Katzen im mittleren Alter (ca. 4-9 Jahre) oftmals eine Gewichtszunahme zu verzeichnen ist, wird bei älteren Katzen (> 12 Jahren) hingegen oft eine Gewichtsabnahme und auch eine parallele Reduktion der Muskelmasse beobachtet. Dies kann teilweise durch die reduzierte Verdaulichkeit der Nährstoffe aufgrund von Veränderungen der Zusammensetzung des Gallesekretes und/oder der reduzierten Bildung einiger Pankreasenzyme zurückgeführt werden. Bei ca. 1/3 der Tiere über 12 Jahre ist die Verdaulichkeit von Fett reduziert, bei 20 % der Tiere ist die Proteinverdaulichkeit deutlich reduziert.

Die Ansprüche an die Ernährung sind bei älteren Katzen höchst individuell – pauschale Aussagen zum Energiebedarf und idealem Nährstoffprofil sind daher nicht möglich; vielmehr muss die Ernährung an die individuellen Bedürfnisse (unter Berücksichtigung von BCS, MCS und ggf. vorliegenden Erkrankungen) angepasst werden."

Dr. Anne Mößeler, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

Die Hyperthyreose ist bei älteren Katzen die häufigste endokrinologische Störung – die vermehrte Bewegungsaktivität und die oftmals zunächst gesteigerte Futteraufnahme werden von den Besitzern nicht selten als Zeichen der „Fitness“ ihrer Katze fehlinterpretiert. Erst bei deutlicher Gewichtsabnahme werden die Tiere dann in der Praxis vorgestellt. Diesbezüglich ist es sinnvoll, bei jedem Besuch in der Praxis nicht nur das Gewicht zu ermitteln, sondern auch den BodyConditionScore (BCS) (Abb. 1) und auch den MuscleConditionScore (Abb. 2) zu erheben. Bei entsprechend routiniertem Untersucher ist die Erhebung zeitlich nicht sehr aufwändig und kann exzellent in die Allgemeinuntersuchung integriert werden. Es stehen hierzu sehr anschauliche schematische Darstellungen zur Verfügung (z.B. WSAVA), die die Kommunikation mit den Besitzern sehr erleichtern.

Bei älteren oder alten Katzen liegt oftmals eine (oder auch parallel mehrere) der nachfolgenden Erkrankungen bzw. Bedingungen vor:

• degenerative Veränderungen am Bewegungsapparat

• eingeschränkte Funktionen der Nieren

Störungen der Zahngesundheit (nicht selten Ursache für reduzierte Futteraufnahme)

Gewichtsverlust – oft in Kombination mit Verlust an Muskelmasse (Sarkopenie)

Beeinflussung der Verdauungsprozesse (teils Obstipationen durch reduzierte Bewegungsaktivität)

Fellveränderungen (dünneres, matteres Fell)

Hyperthyreose

Diätetische Maßnahmen

Diätetische Maßnahmen müssen natürlich spezifisch auf die Bedürfnisse des Tieres und ggf. die Erkrankung angepasst werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist insbesondere die Begrenzung des Phosphorgehaltes und eine Anpassung der Eiweißversorgung an den individuellen Bedarf induziert („So viel wie nötig – so wenig wie möglich“). Dieses Vorgehen verbessert erwiesenermaßen sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität. Diesbezüglich ist der von vielen Tierbesitzern geäußerte Wunsch, Futtermittel mit „möglichst hohem“ Proteingehalt einzusetzen allgemein sicherlich zwar durchaus kritisch zu hinterfragen, bei geriatrischen Tieren mit Verlust der Muskelmasse und reduzierter Futteraufnahme kann es individuell jedoch durchaus angezeigt sein, ein hochverdauliches, energiereiches und rel. proteinreiches Futter einzusetzen, wobei insbesondere die Eiweißqualität besondere Aufmerksamkeit verdient.

Der Einsatz von Omega-3-reichen Ölen (EPA- (Eicosapentaensäure) und DHA- (Docosahexaensäure) reich) kann eine gewisse anti-inflammatorische Wirkung entfalten und zudem positive Effekte auf die Nierendurchblutung entfalten. Eine erhöhte Zufuhr an Antioxidantien (z.B. Vitamin C, E, Lutein oder z.B. auch Polyphenole) ist bezüglich der Reduktion von oxidativem Stress sinnvoll. Etliche der auf dem Markt verfügbaren kommerziellen Produkte für ältere Tiere berücksichtigen die veränderten Bedürfnisse der Senioren-Tiere durch ggf. höhere Energiedichte, angepasste P-Gehalte, erhöhte Gehalte an Antioxidantien, höhere Gehalte an EPA und DHA sowie ggf. auch Substanzen, für die eine positive Wirkung auf den Bewegungsapparat postuliert wird (z.B. Glucosaminoglycane).

Aufgrund der oftmals extrem starken Nahrungsprägung von Katzen sind Futterumstellungen (sowohl bezüglich Konsistenz oder auch Geschmack) jedoch auch bei älteren Tieren oftmals schwierig, teils sogar unmöglich. Hierbei ist insbesondere zu beachten, dass Umstellungen des Futters nicht in Phasen der Hospitalisierung, von akutem Schmerz oder sonstigem Stress erfolgen sollten, da es sonst zu einer „erlernten Futteraversion“ kommen kann.

Die Optimierung der Wasseraufnahme (z.B. durch Angebot mehrerer Tränknäpfe aus unterschiedlichen Materialien an verschiedenen Stellen im Haushalt oder auch Trinkbrunnen) kann die Gesundheit von harnbildenden und harnableitenden Organen unterstützen. Diesbezüglich ist erwähnenswert, dass vermutet wird, dass ältere Katzen ein vermindertes Durstgefühl aufweisen, was das Risiko für Dehydrierung, Obstipationen und Urolithiasis erhöht.

Fazit

Die Ansprüche an die Ernährung sind bei älteren Katzen höchst individuell – pauschale Aussagen zum Energiebedarf und idealem Nährstoffprofil sind daher nicht möglich; vielmehr muss die Ernährung an die individuellen Bedürfnisse (unter Berücksichtigung von BCS, MCS und ggf. vorliegenden Erkrankungen) angepasst werden.

Titelfoto: Dipl. Tierärztin Sabine Schroll

Literatur

Epstein, et. al. (2005): AAHA Senior Care Guidelines for Dogs and Cats. J Am Anim Hosp Assoc (41)81-91

Harman D. Role of free radicals in aging and disease. Ann NY Acad Sci 1992;673:126–41.

Iben et al. (2021): Ernährung der Katze. Thieme Verlag, Stuttgart

Laflamme DP, 2005. Nutrition for Aging Cats and Dogs and the Importance of Body Condition. Vet Clin Small Anim (35) 713–742

Sparkes AH (2011): Feeding old cats-an update on new nutritional therapies. PMID: 21435625 DOI: 10.1053/j.tcam.2011.01.006