Huminsäuren - ein multifunktionaler Therapieansatz bei der Katze

Was sind Huminsäuren?

Huminsäuren sind überall in der Natur zu finden und entstehen durch Humifizierung von organischem Material über Millionen von Jahren. Dabei bleiben teilweise noch Molekülstrukturen der ehemaligen Pflanzen erhalten, die auch jetzt noch aktiv sind. Diese verschiedenen reaktiven Gruppen und flavonoiden Strukturen sind für die Funktionalität und Aktivität im Tier ausschlaggebend. Huminsäuren werden vornehmlich bei unspezifischen Durchfallerkrankungen eingesetzt, aber auch bei Vergiftungen, Gastritis und infektiösen Darmentzündungen.

Schutzwall Darmbarriere

Huminsäuren WH67® sind in der Lage eine durchgängige Schutzschicht, einen kolloidalen Film, auf der Darm Mukosa zu bilden. Die Partikelchen gleiten dabei auch in die Zwischenzottenräume und benetzen die gesamte Oberfläche dieser empfindlichen Gewebeteile. Sie haften besonders an geschädigten Stellen an, dichten diese ab und schützen sie wie ein Pflaster. Dadurch wird die Darmbarriere gestärkt und der Übertritt von Toxinen in den Blutstrom reduziert. Gleichzeitig interagiert die Huminsäure mit dem vegetativen Nervensystem im Darm und sorgt für eine Normalisierung des Darmtonus. Das führt zu einer Linderung von Bauchschmerzen bei Durchfall und Darmentzündung, wie man von der Anwendung beim Menschen weiß (Abb. 1).

Im Normalfall ist die Darmbarriere stark genug, um toxische Stoffe, wie Endotoxine oder Mykotoxine, aber auch Allergene abzublocken, zugleich aber Nährstoffe gezielt durch die Darmzellen Richtung Blut durchzuschleusen. Es gibt jedoch Faktoren, die den normalen Zusammenhalt der Zellen in dieser dünnen Gewebsschicht beeinträchtigen, sodass unerwünschte Stoffe zwischen den Zellen direkt ins Blut übertreten können. Man spricht hier auch vom „Leaky Gut“. Dazu gehören Stress (z.B. Besitzerwechsel, Transport, Tierarztbesuch), fütterungsbedingte Belastungen (z. B. Futterwechsel, Leckerlis). Auch bei Darmentzündungen, die durch Viren, Bakterien oder Parasiten verursacht werden, entstehen Gewebsschäden, die toxische Stoffe leichter durchlassen. Diese müssen dann von der Leber entgiftet werden, regulieren Entzündungsmediatoren hoch und beeinträchtigen das allgemeine Wohlbefinden.

Die chemisorptiven Eigenschaften der Huminsäuren ermöglichen das Neutralisieren von toxischen Stoffen, ohne jedoch die Nährstoffverfügbarkeit einzuschränken. Besonders hervorzuheben ist die außergewöhnlich hohe In-vitro Neutralisationsvermögen bei Endotoxinen (E. coli und S. typhimurium), die bei endogenen Entzündungsgeschehen eine große Rolle spielen oder auch bei verschiedenen Erkrankungen in hohem Maße anfallen (z.B. IBD, Pankreasinsuffizienz). In über 60 Forschungsjahren konnten mit den Huminsäuren WH67® über 70 Studien veröffentlicht und eine Vielzahl weiterer Funktionsweisen wissenschaftlich belegt werden, was auch zur Zulassung verschiedener Veterinär-Arzneispezialitäten und Human-Medizinprodukten geführt hat.

Huminsäuren WH 67® in der Katzenpraxis

Katzen sind mitunter sehr wählerische Kostgänger. Die Präparate liegen in Pulverform vor und sind geruch- und praktisch geschmacklos. In Nassfutter eingerührt, nahmen 24 Katzen mit chronischen Enteropathien das Futter sofort an. DYSTICUM® als zugelassenes Tierarzneimittel wird in erster Linie bei infektiösen Erkrankungen (bakteriell, viral, parasitär) eingesetzt oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie IBD. SOBAMIN® hat z.B. bei Futtermittelunverträglichkeiten, Allergien oder Pankreasinsuffizienz seinen Platz. ALGA HUMIN® beinhaltet zusätzlich die Spirulina-Alge zur verbesserten Mikronährstoffversorgung. Es wird zur “Darmpflege” eingesetzt, z.B. bei wechselnder Kotkonsistenz.

Der interessante Fall - Tritrichomonas foetus bei zwei Jungkatzen

In die Praxis kommt eine elf Monate alte British-Short-Hair-Katze aus dem Tierheim. Dort wurde sie bereits längere Zeit wegen rezidivierender Diarrhoe behandelt. Tritrichomonas foetus steht als Ursache fest und hat wieder einmal seine bekannte Therapieresistenz gegenüber Metronidazol bewiesen. Die Katze zeigt die typische, schleimig-blutige Dickdarm-Diarrhoe. Tagsüber setzt sie häufig ab, presst und äußert dabei deutlich Schmerzen. Sie verliert unkontrolliert kleine Kotmengen, die extrem riechen. Ronidazol als Therapieoption lehnen die neuen Besitzer:innen ab.
Bei der Untersuchung präsentiert sich eine Katze von gutem Allgemeinzustand und altersgemäßer Entwicklung. Die Analgegend ist entzündlich gereizt - ein klinischer Hinweis auf die stattgefundene Chronifizierung der Erkrankung.

Huminsäuren WH67® regen das örtliche Darmimmunsystem an und besitzen antientzündliche Eigenschaften. Unter DYSTICUM® sehen wir einen verstärkten antiphlogistischen Effekt durch Kombination mit Aluminium-Magnesium-Silikat. Die Katzenpatientin bekommt DYSTICUM®, 0,5 g je kg Körpergewicht. Nach 3 Tagen stabilisiert sich langsam die Kotkonsistenz. Nach einer Woche ist die Katze symptomfrei. Mehrfache Nachtestungen auf den Erreger sind negativ. Die Besitzer:innen stellen im Anschluss eine Sphinx-Katze vor, aus ursprünglich der gleichen Zucht stammend. Das gleiche klinische Bild, Tritrichomonas ist bereits nachgewiesen. Auch diese Patientin erhält DYSTICUM®. Nach 8 Wochen ist der Parasit nicht mehr nachweisbar.

Take Home Message

Huminsäuren WH 67® arbeiten im Darm auf mehreren Ebenen zugleich. Es sind die synergistischen Effekte einer einzigartigen Substanz, die sie mit einem multifunktionalen Werkzeug vergleichbar machen.

PS: Wer mehr wissen will zu diesem Thema, hat die Möglichkeit, am 7. Juli 2022 (10:30 - 12:30 Uhr) am Seminar "Huminsäuren - ein multifunktionaler Therapieansatz (K 20)" im Rahmen des Leipziger Tierärztekongresses teilzunehmen. Anmeldung HIER.