Huminsäuren – ein multifunktionaler Therapieansatz

Eine duftende Tasse Kaffee am frühen Morgen, dazu ein knusprig gebackenes Brötchen - wer möchte da widerstehen? Es sind sogenannte Huminsäuren, die für die appetitliche braune Farbe verantwortlich sind. Doch man findet sie auch in Kohle, Torf und Humus, die im Laufe von Jahrmillionen bei der Humifizierung organischen Materials entstanden sind. In Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig erforscht das Pharmawerk Weinböhla Huminsäuren seit den 1960er Jahren. Das besondere therapeutische Potential dieser einzigartigen Substanz (Typ WH 67®) ist in zahlreichen Studien belegt und eingebettet in ein modernes therapeutisches Konzept für die tierärztliche Praxis.

Es ist die Synergie gleich mehrerer Effekte, die natürliche Stoffwechselvorgänge im Darm reguliert und die Normalisierung der bakteriellen Flora unterstützt. Huminsäuren vereinen ad- und resorptive Eigenschaften, arbeiten antiphlogistisch, antimikrobiell (gezeigt an Bakterien, Viren, Candidapilz), immunmodulierend und schleimhautschützend. Die Eigenregulation des Patienten wird angeregt. Huminsäuren WH 67® bewegen sich auf dem Darmepithel und gleiten tief bis in die Darmkrypten. Lipophile Herbizide, Pestizide (insb. Glyphosat), Rattengift (Warfarin) und Schwermetalle werden biochemisch abgebunden und mit dem Kot ausgeschieden. E. coli-Toxin wird zu 82 % neutralisiert. Unter ihrem leicht gerbenden Einfluss verringert sich die Durchlässigkeit der Schleimhäute. Die Darmperistaltik normalisiert sich durch Belegung der freien Nervenendigungen in der Mucosa, Darmpassagezeit und Nährstoffabsorption nehmen zu.

Huminsäuren bieten sich für Patienten mit Diarrhoen unterschiedlicher Verlaufsformen und unklaren Enteropathien an. Tiere in der Rekonvaleszenzphase sowie trächtige und säugende Muttertiere profitieren vom Plus an verwertbarer Energie aus dem Futter.

Hunde- und Katzenpatienten mit chronischen Enteropathien, allergischen Reaktionen und juckenden Dermatosen sind häufig. Die positiven Erfahrungen mit dieser einzigartigen Substanz in der Praxis machen neugierig auf Therapieoptionen in der Zukunft."

Dr. Silke Stricker, Lehrte

Der interessante Fall I

Ein Labradorrüde, 5 Jahre alt, mit diagnostizierter IBD (Inflammatory Bowel Disease) und Zottenatrophie wird in der Praxis vorgestellt. Die IBD steht für eine chronische Darmentzündung oft unklarer Ursache. Charakteristisch sind wiederholter Vomitus, gurgelnde Darmgeräusche, Flatulenzen, sowie blutig-schleimige Diarrhoe. Auch dieser Hund zeigt rezidivierende Schübe, die Ansprache auf Prednisolon und Diätfutter ist unbefriedigend. Unter Huminsäuren (DYSTICUM®) in kleiner Dosierung kommt der Hund in den seit Jahren überfälligen Fellwechsel und stabilisiert sich unter der Dauergabe von Huminsäuren. Nachbeobachtungszeit: 4 Jahre.

Zur Erläuterung: Huminsäuren WH67® sind, zwischen dem Darmepithel und pathogenen Keimen liegend, in der Lage, das geschädigte, nekrotisierte Darmepithel zu schützen. Die flavonoiden Seitenketten aus dem Grundgerüst nehmen entzündungshemmenden Einfluss auf die Mucosa (experimentell bestätigt). Unter der Kombination mit Aluminium-Magnesium-Silikat (in DYSTICUM®) ist sowohl eine verbesserte Anhaftung an die Schleimhaut als auch ein verstärkt antiphlogistischer Effekt zu sehen.

Der interessante Fall II

Eine Amerikanische Akita Inu-Hündin, 3 Jahre alt, kommt mit einer chronischen Dermatose, einhergehend mit starkem Pruritus und rezidivierender Otitis externa in die Praxis. Die Kotkonsistenz wechselt. Es wird eine Futtermittelreaktion vermutet. Die Behandlung mit Antibiotika, Prednisolon, Oclacitinib lindert immer nur kurzfristig. Unter Sobamin® deutliche Besserung der Symptomatik. Die Kotkonsistenz ist nach 3 Tagen physiologisch, das Hautjucken verschwindet vollständig und dauerhaft nach 14 Tagen.

Zur Erläuterung: Intestinale Dysbiosen sind häufig mit atopischen Dermatosen assoziiert. Ist die Schleimhautintegrität verändert, können bakterielle Endotoxine (Lipopolysaccharide, LPS) die Tight junctions (Zellkontakte zwischen benachbarten Darmepithelzellen) passieren und das Immunsystem dauerhaft unter Aktivierung der Sensibilisierungskaskade fehlregulieren.

Pilotstudien zeigen, dass Huminsäuren WH67® durch ihren mild adstringierenden Einfluss eine erhöhte intestinale Schleimhautpermeabilität verringern und die Darmbarrierefunktion wieder herstellen können. Für LPS sind sehr hohe Neutralisationskapazitäten nachgewiesen. Patienten mit juckenden Hauterkrankungen und allergischer Disposition können sich auf diese Weise verbessern.

Für die Praxis

Huminsäuren WH 67® sind als zugelassene Tierarznei- und Futtermittel auf dem Markt. Das Arzneimittel DYSTICUM® hat seinen Schwerpunkt im infektiösen, antientzündlichen Bereich. SOBAMIN® wird bei Hund und Katze bzw. bei kleinen Heim- oder Zootieren eingesetzt. Spirulinaalge in ALGAHUMIN® verbessert zudem die Mikronährstoffversorgung. Die Akzeptanz ist gut. Auch 24 Katzen mit chronischen Enteropathien aus der Praxis der Autorin nahmen mit WH 67® versetztes Nassfutter problemlos auf. Mit Blick auf den besonderen Herstellungsprozess sind Praxiserfahrungen und Forschungsergebnisse mit WH 67® nicht unreflektiert auf Huminsäuren anderer Herkunft oder Herstellungsart übertragbar.

Take Home Message

Hunde- und Katzenpatienten mit chronischen Enteropathien, allergischen Reaktionen und juckenden Dermatosen sind häufig. Die positiven Erfahrungen mit dieser einzigartigen Substanz in der Praxis machen neugierig auf Therapieoptionen in der Zukunft.

Quellenangaben bei der Autorin.