Laboklin trifft Expert:innen zur FIP

Im Februar hat Laboklin zu einer spannenden und informativen Expertenrunde zum Thema FIP eingeladen. Neben wichtigen diagnostischen Aspekten wurde insbesondere das hoch aktuelle Thema Therapie und deren rechtliche Aspekte diskutiert. Wir haben die wichtigsten Auszüge daraus für Sie zusammengestellt.

Experten

Prof. Wolfgang Bäumer, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Fachbereich Veterinärmedizin, FU Berlin. Er ist aus pharmakologischer Sicht beeindruckt von den neuen Therapieansätzen, hat aber aus arzneimittelrechtlicher Sicht Bedenken.

Prof. Katrin Hartmann, Medizinische Kleintierklinik, LMU München. Infektionserkrankungen sind ihr Steckenpferd. Ihre zahlreichen Studien zur FIP und insbesondere die Publikation zur oralen Therapie mit dem GS-441524 beinhaltenden Xraphconn® (Fa. Mutian) haben Aufmerksamkeit erregt.

Prof. Regina Hofmann-Lehmann
, Departement für klinische Diagnostik und Services, Universität Zürich. Ihr Forschungsgebiet ist die klinische Infektiologie. Sie hat sich eingehend mit dem Thema PCR im Rahmen der FIP-Diagnostik beschäftigt.

Vanessa Steppuhn
, ehrenamtliche Tätigkeit bei #gemeinsamgegenfip. Die Gruppe hat insgesamt bereits über 3000 Katzen mit FIP bei der Therapie mit GS-441524 betreut.

Diagnostik

Oft werden die Corona-AK-Titer angefragt und gleich FIP gesetzt – was können wir mit den Titern machen, was nicht? Was raten Sie als Diagnostikum an?

Prof. Regina Hofmann-Lehmann betont, dass die Corona-Antikörper leider keine Hilfe bei der Diagnostik der FIP darstellen. Die Höhe des Titers sagt nichts darüber aus, ob eine Katze an FIP erkrankt ist oder nicht. Auch der Ausschluss einer FIP über einen negativen Antikörpertest ist nicht möglich. Die PCR aus Blut, Ergussflüssigkeit oder Gewebe bietet hingegen oft gute Ergebnisse. Dabei ist eine Quantifizierung der in der Probe vorhandenen Viren für die Beurteilung sehr nützlich. Die PCR aus Kot hilft bei der Diagnose der FIP für einen individuellen Patienten allerdings nicht. Sie spielt bei der Bestandsbetreuung eine Rolle.

Ob ein Mutations-Nachweis in jedem Fall unbedingt notwendig ist, beantwortet Prof. Katrin Hartmann mit "Nein". Dieser ist in klinisch nicht eindeutigen Fällen mit nur geringer Viruslast sinnvoll. Für Katzen mit für FIP typischen Befunden, bei denen in Blut, Ergussflüssigkeit oder Gewebe eine hohe Viruslast nachgewiesen wurde, steht die Diagnose auch ohne Sequenzierung auf eine vorhandene Mutation. Hinzu kommt, dass mit den bisherigen Methoden nicht in allen FIP-Fällen eine Mutation nachgewiesen werden kann.

Wie groß ist die Gefahr, dass andere Katzen erkranken, wenn eine FIP-Katze im Haushalt war?

Vanessa Steppuhn gibt hierzu einen Erfahrungsbericht. Es wird tatsächlich immer mal wieder gesehen, dass in Mehrkatzenhaushalten weitere Katzen erkranken. Sehr selten kommt dies vor, wenn ein Nachfolger einer Einzeltierhaltung ins Haus geholt wird. Die Beobachtungen stimmen aber mit der wissenschaftlichen Meinung überein, dass es sich bei solchen FIP-Fällen um individuelle Erkrankungen handelt.

Prof. Katrin Hartmann und Prof. Regina Hofmann-Lehmann bestätigen, dass Ausbrüche auf einen hohen Infektionsdruck in Verbindung mit Stressoren oder genetischen Prädispositionen zurückzuführen sind. Die FIP entsteht nicht durch Übertragung des mutierten Felinen Coronavirus (FCoV), sondern durch Mutation im Individuum selbst. Tests, die eine prädisponierte Katze sicher identifizieren, gibt es nicht. Aktuell geht man davon aus, dass häufige Reinfektionen mit FCoV die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer FIP erhöhen. Der Hygiene sowie der Isolation von Hochausscheidern kommt somit eine wesentliche Bedeutung zu.

FIP-Therapie und deren rechtliche Aspekte

Die Erfolge mit dem Nukleotid-Analog GS-441524 sind in aller Munde. Deshalb hat sich die Expertenrunde mit diesem Thema fokussiert auseinandergesetzt.

Eine der ersten Fragen galt Vanessa Steppuhn. Sie bezog sich auf die persönlichen Erfahrungen in der Gruppe mit GS-441524. Sie berichtet, dass die Erfolge sehr gut seien. Etwa 90 % der Katzen erfahren eine dauerhafte Heilung. Allerdings ist die Therapie nach dem aktuellen Protokoll aufwendig. Sie erfordert tägliche subkutane Injektionen über einen Zeitraum von 84 Tagen. Zudem ist eine tierärztliche Betreuung zwingend erforderlich, da die Patienten oft in einem sehr schlechten Zustand sind. Neben der Verabreichung des Medikamentes an sich müssen die meisten Katzen intensivmedizinisch betreut werden. Zudem sind regelmäßige Blutkontrollen erforderlich. Die reinen Medikamentenkosten betragen für den gesamten Zeitraum ca. 700,- bis 1750,- Euro je nach Gewicht und FIP-Verlaufsform.

Prof. Petra Hartmann unterstreicht den Stellenwert der tierärztlichen Betreuung aus eigener Erfahrung im Umgang mit dem an der LMU erfolgreich getesteten oralen Medikament Xraphconn®.

Remdesevir ist ein sogenanntes Prodrug für GS-441524 und wird im Körper entsprechend verstoffwechselt. Es ist für Klinikapotheken seit dem 1.6.2021 bestellbar und besitzt auch eine Zulassung. Damit müsste doch eigentlich eine Umwidmung möglich sein?

Prof. Wolfgang Bäumer bestätigt dies im Grundsatz. Allerdings bedeutet das nicht, dass es auch für Tierärzt:innen verfügbar ist. Denn die Zulassung bezieht sich nur auf Klinikapotheken. Tierärzt:innen können es nicht erwerben.

Gibt es Bestrebungen vom Hersteller Gilead, GS-441524 zuzulassen?

Prof. Wolfgang Bäumer hat hierzu bereits im Vorfeld Erkundigungen eingezogen. Er verliest eine Mitteilung von Gilead, dass dies nicht der Fall ist. Er betont, dass es keine zugelassenen, für Tierärzt:innen legal zu beziehenden Formulierungen von GS-441524 auf dem Markt gibt, auch wenn Interneteinträge bestimmter Anbieter so etwas vermuten lassen.

Prof. Katrin Hartmann wirft ein, dass die BOVA Apotheke in England die Substanz GS-441524 legal umformulieren darf, solange sie nicht als zugelassenes Präparat auf dem Markt verfügbar ist. Die Möglichkeit einer oralen Formulierung wird derzeit geprüft. Eine groß angelegte wissenschaftliche Langzeitstudie ist geplant.

Prof. Wolfgang Bäumer gibt allerdings zu bedenken, dass den deutschen Tierärzt:innen außerhalb einer wissenschaftlichen Studie trotzdem die Hände gebunden sind. Das Präparat ist in der EU nicht für die Tiermedizin zugelassen und darf somit nicht importiert werden.

Wie sieht es mit dem Import über den Schwarzmarkt aus? Welche Strafen drohen?

Prof. Wolfgang Bäumer betont: Der Import der Substanz GS-441524 durch Tierärzt:innen ist eine Straftat. Tierärzt:innen riskieren ihre Approbation.

Was ist mit dem Tierhalter?

Hier weiß Vanessa Steppuhn zu berichten, dass tatsächlich schon entsprechende Fälle vorgekommen sind. Diese sind bisher glücklicherweise glimpflich verlaufen.

Welche legalen Möglichkeiten haben Tierärzt:innen, die Halter:innen auf die Therapie aufmerksam zu machen und sie bei der Therapie zu unterstützen?

Prof. Wolfgang Bäumer bestätigt, dass Tierärzt:innen sich nicht strafbar machen, wenn sie die Therapie mit GS-441524 empfehlen, und zwar auch dann nicht, wenn dieses Medikament keine Zulassung hat. Verabreicht ein Tierhalter unter der Aufsicht eines Tierarztes eine nicht zugelassene Substanz, sollte dies kein Problem darstellen. Tierärzt:innen sollten allerdings nicht eine ihnen durch den Tierhalter übergebene Substanz anwenden.