„Läuft bei Dir?“ – Wie die Ernährung Hunden mit Gelenkproblemen helfen kann

Der „beste Freund des Menschen“, der Hund, wird heute immer älter: Laut einer groß angelegten amerikanischen Studie lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Hundes in den USA bereits 2012 schon bei elf Jahren und hatte sich damit innerhalb eines Jahrzehnts um ein halbes Jahr verlängert (Banfield Pet Health Report 2012).

Das höhere Lebensalter bringt jedoch auch typische Alterserkrankungen wie bei menschlichen Senioren mit sich: 80% aller Hunde über acht Jahre leiden unter Gelenkverschleiß (Osteoarthrose). Diese fortschreitende Erkrankung geht mit dem Abbau von Gelenkknorpel einher. Dieser wird nicht nur „abgenutzt“, sondern verliert im Alter auch seine Elastizität und damit seine wichtige Funktion als „Stoßdämpfer“ im Gelenk. Verminderte Beweglichkeit und ein steifer Gang, die dem menschlichen Begleiter zum Beispiel beim Spazierengehen oder Treppensteigen auffallen, sind nicht selten Ausdruck chronischer Gelenkschmerzen, die die Lebensqualität des betroffenen Hundes erheblich einschränken können.

Ziel der Behandlung der altersbedingten Gelenkprobleme beim Hund ist es, Gelenkschmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern, damit die betroffenen Tiere wieder an Lebensqualität gewinnen. Aber muss es dafür immer gleich die OP oder ein starkes Schmerzmittel sein? Tiermedizinische Experten setzen hier inzwischen auf den sogenannten multimodalen (mehrgleisigen) Therapieansatz, zu dem neben Physiotherapie auch Nahrungsergänzungen bzw. beim Tierarzt erhältliche Spezial-Alleinfuttermittel (wie z.B. Mobility C2P+ von Royal Canin) gehören. Zudem lassen sich belastete Gelenke auch vorbeugend mit der richtigen Ernährung unterstützen: auch im Fachhandel sind entsprechende Alleinfuttermittel für Hunde mit dem Plus für die Gelenkfunktion erhältlich (z.B. Canine Care Nutrition Joint Care von ROYAL CANIN).

Die „richtige Ernährung“ für Hunde mit Osteoarthrose: Grundsätzliches

Die Energiezufuhr sollte bei Hunden mit Gelenkerkrankungen nicht zu hoch sein, damit sie ihr Normalgewicht halten.

Eine hohe Konzentration an den mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA & DHA (vor allem in Fischöl enthalten) ist empfehlenswert, um Entzündungserscheinungen zu begrenzen: sie senkten die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen im Gewebe. Weniger Entzündung bedeutet weniger Schmerzen im Gelenk.

Grünlippenmuschel-Extrakt hat sich in der Praxis ebenfalls gut zur begleitenden Behandlung von Osteoarthrose bewährt und ist daher Bestandteil diverser Alleinfuttermittel und Nahrungsergänzungen für Hunde. Grünlippenmuschel enthält eine besondere Omega-3-Fettsäure, die ETA. Sie gilt als besonders potenter Hemmstoff für die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe (siehe oben).

Zu erwähnen sind auch die altbewährten Glukosaminoglykane (GAGs), die z.B. aus Knorpel von Schlachttieren gewonnen werden können und in vielen Alleinfuttermitteln für gesunde Hunde bereits vorsorglich zur Unterstützung der Gelenkgesundheit eingesetzt werden. Glucosamin und Chondroitinsulfat sind die bekanntesten Vertreter. Ersteres ist ein Bestandteil der Knorpelgrundsubstanz mit der Eigenschaft, viel Wasser binden zu können, was die „stoßdämpfenden“ Eigenschaften des Gelenkknorpels verbessert. Letzteres kann die Aktivität knorpelabbauender Enzyme begrenzen.

Eine angepasste Ernährung hat inzwischen einen festen Platz in der Therapie der Osteoarthrose bei Hunden. Mit ausgewählten Nährstoffen kann sie helfen, Entzündungen und damit die Schmerzen im Gelenk zu begrenzen und den Gelenkknorpel und die Muskulatur zu erhalten."

Dr. Claudia Rade, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

„Futter für die Gelenke“?

Eine diätetische Unterstützung bei Osteoarthrose ist wesentlicher Bestandteil des Therapiekonzepts beim Hund. Inzwischen stehen verschiedene Alleinfuttermittel zur Verfügung, bei denen „Functional Food“-Komponenten zur Unterstützung der Gelenke bereits integriert sind (z.B. Mobility C2P+ von Royal Canin). Das vereinfacht die diätetische Behandlung zu Hause erheblich, da keine zusätzlichen Präparate passend dosiert und täglich verabreicht werden müssen: Die Aufnahme erfolgt mit den normalen Mahlzeiten des Hauptfutters, welches (sofern es sich um ein „Alleinfuttermittel“ handelt) problemlos ausschließlich gefüttert werden kann. Letzteres ist empfehlenswert, da es bei der Mischung mit einem oder mehreren anderen Futterkomponenten zu einer „Verdünnung“ der Tagesdosis der gelenkwirksamen Substanzen kommen kann.

Ganz wichtig: ein gesundes Körpergewicht

Jedes Kilo mehr, das Hunde und Katzen mit Osteoarthrose mit sich herumtragen müssen, belastet die erkrankten Gelenke. Umgekehrt führt eine gewichtsmäßige Entlastung sehr effektiv zur Minderung der Schmerzhaftigkeit (nichts anderes macht das Tier auch, wenn es lahmt oder der Mensch, wenn er Krücken zu Hilfe nimmt). Durch den Abbau von Übergewicht mit einer planvollen, langsamen Reduktionsdiät kann eine dauerhafte Entlastung der Gelenke erreicht werden, die sowohl den Gelenkschmerz vermindern als auch den Fortschritt der Erkrankung verlangsamen kann. Auch als Tierhalter kann man sich das sogenannte Body Condition Scoring zunutze machen, um die Körperkondition seines Hundes „im Blick und im Griff“ zu behalten. Diese Methode, bei der durch gezieltes Abtasten und Betrachten der Körperkonturen Fettdepots unter der Haut aufgespürt und beurteilt werden können, ist unter fachkundiger Anleitung in der Tierarztpraxis relativ leicht zu erlernen. Fragen Sie doch beim nächsten Tierarztbesuch einfach mal! So können Sie den Ernährungszustand ihres Tieres jederzeit selbst (auch ohne Waage) kontrollieren.

Empfehlungen für Hunde im Wachstum

Gerade bei großwüchsigen Junghunden kommt einer kontrollierten Aufzucht mit einer langsamen, gesunden Gewichtsentwicklung besondere Bedeutung zu.

regelmäßiges Wiegen des Hundes,

Abwiegen der Tagesfuttermenge und kontrollierte Rationsszuteilung,

• Dokumentation durch Führen einer Wachstumskurve

Bei der Zusammensetzung der Aufzuchtnahrung ist auf eine bedarfsgerechte Zufuhr von Kalzium und Phosphor zu achten: eine Überversorgung nach dem Motto „für starke Knochen“ ist unbedingt zu vermeiden, da sie sich ebenso schädlich auf die Skelettentwicklung auswirken kann wie eine Unterversorgung. Nahrungsergänzungen zur Unterstützung der Gelenkgesundheit mit den oben erwähnten Nährstoffen können in der Regel auch bei Junghinden eingesetzt werden, allerdings sollten vorher entsprechende Informationen vom Hersteller eingeholt werden oder ein Ernährungsberatungsdienst konsultiert werden. Insbesondere ist zu prüfen, wie das gewählte Präparat in der empfohlenen Dosierung die Kalzium-, Phosphor- und Vitamin D-Versorgung beeinflusst, da hier der Bedarf über ein ausgewogenes Alleinfutter bereits gedeckt ist. Unbedingt zu vermeiden ist die zusätzliche Gabe von „Welpenkalk“ oder anderen Kalziumpräparaten ohne Indikation (Rationsberechnung)!

Fazit

Eine angepasste Ernährung hat inzwischen einen festen Platz in der Therapie der Osteoarthrose bei Hunden. Mit ausgewählten Nährstoffen kann sie helfen, Entzündungen und damit die Schmerzen im Gelenk zu begrenzen und den Gelenkknorpel und die Muskulatur zu erhalten.