Dermatologische Krankheitsdispositionen der Katze

Hauterkrankungen werden häufig durch eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren ausgelöst. Rein vererbte Hautveränderungen, die auf ein einzelnes Gen zurückzuführen sind, nennt man Genodermatosen. Hierfür sind in vielen Fällen bereits Gen-Tests verfügbar. Sie fallen klinisch meist in frühem Alter oder gar bei Geburt auf. Es gibt keine Therapieoptionen. Bei genetischen Prädispositionen hingegen sind oft mehrere Genmutationen beteiligt, demzufolge gibt es kein einzelnes Gen auf das getestet werden kann. Umweltfaktoren kommen in der Regel hinzu, um eine phänotypisch sichtbare Erkrankung auszulösen.

Genodermatosen

Zu den Genodermatosen der Katze gehören unter anderem die Haarlosigkeit der Sphinx und der Devon Rex Katze mit der Genmutation in KRT-71 (Gandolfi et al. 2010), oder die Langhaarigkeit von Ragdolls und Main Coon Katzen mit einer Genmutation im Bereich FGF5 (Drögemüller et al. 2007).

Haarlosigkeit verbunden mit kurzer Lebenserwartung (Birma Katze)

Eine Haarlosigkeit verbunden mit kurzer Lebenserwartung wurde in Birma Katzen beschrieben (Genmutation: FOXN1) (Abitbol et al. 2015). Es handelt sich um einen autosomal rezessiven Erbgang, sodass In den beschriebenen Fällen meist nur einzelne Katzenwelpen in einem Wurf betroffen sind. Die betroffenen Individuen kommen generalisiert haarlos zur Welt, zeigen auffallend viele Hautfalten und werden nur wenige Monate alt. Sie sterben an Haut- oder Magen-Darm-Infektionen, da die Genmutation offenbar zu einer Aplasie des Thymus und so zu einer schweren Immunsuppression führt. Das Syndrom ist auch beim Menschen und der Maus als „Nude-Syndrom“ bekannt, mit der gleichen Genmutation. Ein Gentest für die Katze ist vorhanden.

Ehlers-Danlos-Syndrom

Das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS), umfasst eine Gruppe von angeborenen Fehbildungen im Bereich des Bindegewebes, genauer gesagt der Kollagensynthese. Es gibt verschiedene klinische und genetische Gruppen innerhalb des Syndroms. Allgemein fällt bei allen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte erhöhte Dehnbarkeit und Fragilität der Haut auf. Die Haut reißt auf geringe Traumata hin auseinander (Abb.1), Narben entstehen, die meist wenig widerstandsfähig sind. Bei der Katze konnte unlängst eine Genmutation im Bereich der Kollagensynthese (COL5A1) nachgewiesen werden (Spycher et al. 2018). Da nicht nur das Kollagen in der Haut, sondern auch in den Organen, Gefäßwänden oder Gelenken betroffen sein kann, können weitere Symptome hinzukommen, wie beispielsweise Vaskulopathien oder Pneumonien. Die Diagnose eines EDS kann mittels Gentests erfolgen. In der Histopathologie ist die Diagnosestellung nur schwer möglich. Als Differenzialdiagnose kommt bei der Katze das skin-fragility-syndrome in Frage, welches als Symptom eines Hyperadrenokortizismus, einer Hepatopathie (u.a. hepatische Lipidose), oder einer Neoplasie (multizentrisches Lymphom) auftreten kann. Eine schwere Kachexie kann ebenso zu einem reversiblen skin-fragility-syndrome führen. Die Tiere erkranken im Unterschied zum EDS im mittleren bis höheren Alter und haben eine entsprechende Vorgeschichte.

Die weitere Erforschung von Genveränderungen ist nicht nur wichtig um schwere Erkrankungen, wie beispielsweise das Ehlers-Danlos-Syndrom, aus der Zucht zu entfernen, sondern trägt auch zum Verständnis der Pathogenese von Hauterkrankungen bei. Dies kann perspektivisch wegweisend für neue Therapiekonzepte sein."

Dr. Maren Dölle, AniCura Tierärztliche Spezialisten Hamburg

Prädipositionen

Bestimmte Katzenrassen sind unter anderem für folgende Hauterkrankungen prädisponiert: felines atopisches Hautsyndrom (Abessinier), subkutane Dermatophytose (Perser) und der Erkrankungskomplex der felinen kutanen Mastozytose (Sphynx).

Felines atopisches Hautsyndrom

Das feline atopische Hautsyndrom ist im weitesten Sinne eine Hypersensibilität auf Umweltallergene. Futtermittelallergien können parallel existieren. Aus den bisherigen Studien ist lediglich statistisch die Abessinierkatzen nachweislich prädisponiert hierfür (Cieslicki M, 1989). Aber auch jede andere Katzenrasse kann ein atopisches Hautsyndrom entwickeln. Veränderte Gene sind bei der Katze bislang nicht ausreichend bekannt. Der neuesten Nomenklatur nach gehört das feline atopische Hautsyndrom mit dem Asthmakomplex und den gastrointestinalen Hypersensitivitäten zum felinen atopischen Syndrom. Die Diagnostik umfasst den Ausschluss einer reinen Futtermittelallergie mittels Eliminationsdiät und einen anschließenden Umweltallergietest via IgE im Serum oder mittels Intrakutantest.

Subkutane Dermatophytose

Bei der selten auftretenden subkutanen Dermatophytose der Perserkatze (Yager et al. 1986), entwickeln die betroffenen Tiere subkutane Knoten, die auch Fistelgänge aufweisen können. Meist ist der hintere Rumpf betroffen. Die Diagnose erfolgt mittels tiefer Gewebekultur und Histopathologie mit einhergehenden Spezialfärbungen.

Feline kutane Mastozytose

Der Erkrankungskomplex der felinen kutanen Mastozytose der Sphynx Katze ist gekennzeichnet durch erythematöse Papeln und teils Quaddeln, typischerweise lokalisiert an Kopf, Schultern, ventralem Hals und Achseln, die spontan in Remission gehen können (Abb.2). In einigen Fällen sind die Papeln mit Krusten vergesellschaftet oder gar dunkel pigmentiert (Abb.3), und gehen mit chronischer Lichenifikation und Hyperpigmentierung einher, ähnlich der humanen „Urticaria pigmentosa“. Diese Fälle sind meist chronisch und gehen oft mit starkem Pruritus einher. Histopathologisch findet sich stets ein dominantes Mastzellinfiltrat in der superfiziellen bis tiefen Dermis (Ngo et al. 2019).

Take Home Message

Die weitere Erforschung von Genveränderungen ist nicht nur wichtig um schwere Erkrankungen, wie beispielsweise das Ehlers-Danlos-Syndrom, aus der Zucht zu entfernen, sondern trägt auch zum Verständnis der Pathogenese von Hauterkrankungen bei. Dies kann perspektivisch wegweisend für neue Therapiekonzepte sein.

Literatur

• Abitbol, M., Bossé, P., Thomas, A., & Tiret, L. (2015). A deletion in FOXN1 is associated with a syndrome characterized by congenital hypotrichosis and short life expectancy in Birman cats. PLoS One, 10(3), e0120668.

• Cieslicki, M., & Cieslicki, P. (1989). Auftreten von endogenem Ekzem und Kardiomyopathie in einer Abessinier-Katzenzucht. Kleintierpraxis, 34, 395-402. 


• Drögemüller, C., Rüfenacht, S., Wichert, B., & Leeb, T. (2007). Mutations within the FGF5 gene are associated with hair length in cats. Animal genetics, 38(3), 218-221. 


• Gandolfi, B., Outerbridge, C. A., Beresford, L. G., Myers, J. A., Pimentel, M., Alhaddad, H., Lyons, L. A. (2010). The naked truth: Sphynx and Devon Rex cat breed mutations in KRT71. Mammalian Genome, 21(9), 509-515. 


• Ngo, J., Morren, M. A., Bodemer, C., Heimann, M., & Fontaine, J. (2019). Feline maculopapular cutaneous mastocytosis: a retrospective study of 13 cases and proposal for a new classification. Journal of feline medicine and surgery, 21(4), 394-404. 


• Spycher, M., Bauer, A., Jagannathan, V., Frizzi, M., De Lucia, M., & Leeb, T. (2018). A frameshift variant in the COL 5A1 gene in a cat with Ehlers‐Danlos syndrome. Animal genetics, 49(6), 641-644. 


• Yager, J. A., Wilcock, B. P., Lynch, J. A., & Thompson, A. R. (1986). Mycetoma-like granuloma in a cat caused by Microsporum canis. Journal of comparative pathology, 96(2), 171-176.