Adipositas beim Hund - Phytotherapie beim Metabolischen Syndrom

Die Adipositas gilt heute als eskalierende globale Epidemie, heraufbeschworen und mit subtilen Marketingstrategien unterhalten von der Lebensmittelindustrie, die Fast Food für 2- und 4-Beiner produziert (Koliaki et al., 2023). Von Adipositas betroffen sind vor allem Menschen, Hunde, Katzen, kleine Heimtiere und Pferde. In den Industrieländern sind mittlerweile ca. 65 % der Hunde und Katzen adipös. Die Kollateralschäden der Fast Food-Produktion sind enorm. Die global agierende und expandierende Fast Food-Industrie ist Hauptverursacher von Massentierhaltung und Monokulturen. Durch sie wird weltweit Natur und Landschaft zerstört, verändern sich Esskulturen und werden gigantische Mengen Verpackungsmüll produziert (Schlosser, 2000).

Verführende Werbung

Fast Food ist ein Auswuchs unserer schnelllebigen Zeit und ein sehr lukrativer Markt. Die Werbung suggeriert, das Hundefutter aus dem Supermarktregal sei auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand, vollwertig, gesunderhaltend, rasse- und altersspezifisch oder gar krankheitsspezifisch. Tatsächlich leiden immer mehr Hunde unter Adipositas und ihren Folgen. Denn sehr viele dieser Futtermittel, insbesondere Leckerlis, sind minderwertig oder gar gesundheitsschädlich. Sie sind kalorienreich, ballaststoffarm und deshalb nicht sättigend, reich an strategischen und technologischen Zusatzstoffen wie künstlichen Aromen, Farb- und Konservierungsstoffen. Es fehlen ernährungsphysiologisch wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, natürliche Vitamine und Mineralstoffe. Solche Futtermittel können Quelle für Fehl- und Überernährung sein.

Fütterungsverhalten

Falsches Fütterungsverhalten gutmeinender Tierhalter:innen verschärft das Problem des Ungleichgewichts zwischen Energieaufnahme und -verbrauch. Bleibt beispielsweise der reduzierte Energieverbrauch im Alter und bei Bewegungsmangel sowie durch hormonelle Umstellung nach einer Kastration unberücksichtigt, führen Fertigfutter mit ihrer hohen Energiedichte schnell zu einer Adipositas (Fritz, 2019). Genetische Dispositionen und durch Umweltchemikalien verursachte Endokrinopathien tun ihr Übriges.

Folgen der Adipositas

Adipositas ist bei Hund und Katze zum Tierschutzproblem geworden (Kölle et al. 2023). Sie reduziert nicht nur die Bewegungs- und Lebensfreude, sondern auch die Lebenserwartung der Tiere. Sie ist Ausgangspunkt für weitreichende metabolische Störungen wie das Metabolische Syndrom - ein Komplex, zu dem u.a. Leberschäden und -funktionsstörungen durch eingelagerte Fette gehören, sowie Diabetes Typ II und Herz-Kreislauferkrankungen. Eine Adipositas beeinträchtigt das Immunsystem durch Metaflammation (HR 15, Juni 2021; Eisenstecken et al., 2012) und ist deshalb Risikofaktor für Tumorerkrankungen, ebenso für Osteoarthrosen, Kreuzbandrisse, Hauterkrankungen, Pankreatitis und psychische Störungen (Handl et al., 2012). Zu den Begleiterscheinungen einer Adipositas gehören Darmträgheit und Obstipation.

Phytotherapie beim Metabolischen Syndrom

Ein Metabolisches Syndrom ist hochkomplex. Mit zunehmender Ausprägung des Syndroms führt die auf einzelne Symptome ausgerichtete konventionelle Therapie zur Polypharmazie, wodurch das Risiko für unerwünschte Arzneiwirkungen steigt. Mit Arzneipflanzen, die per se Vielstoffgemische sind, lassen sich mehrere Faktoren gleichzeitig beeinflussen. Stoffliche Vielfalt ermöglicht regulierende Breitbandwirkung.

Diätetik: Entscheidend für Prävention und Therapie einer Adipositas ist eine mit dem Energieverbrauch im Gleichgewicht stehende Energiezufuhr. Mehr körperliche Aktivität und eine an diese individuell angepasste Energieversorgung durch ballaststoffreiche, sättigende und kalorienreduzierte Ernährung sind hierfür Grundvoraussetzungen.

Darmmotilität anregen: Adipositas geht zumeist mit Darmträgheit einher. Ballaststoffe wie sie v.a. in Vollkorngetreide, Gemüse, Obst und Kräutern vorkommen, regen die Peristaltik an und nehmen positiven Einfluss auf die Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota.

Bei bewegungseingeschränkten Tieren hilft die regelmäßige Gabe von Quellstofflaxanzien wie Leinsamen und Flohsamenschalen. Diese enthalten Schleimstoffe, die mit Wasser nicht resorbierbare Hydrokolloide bilden. Dadurch wird das Volumen der Ingesta deutlich vergrößert und ein Dehnungsreiz auf den Darm ausgeübt, der reflektorisch die Peristaltik anregt. Voraussetzung ist eine erhöhte Wasseraufnahme.

Bei einer Obstipation, einer Folge der Darmträgheit, können ggf. kurzfristig Anthranoid-Drogen wie Faulbaumrinde, Medizinal-Rhabarber und Sennesblätter eingesetzt werden, für die es bewährte Dosierungen gibt (Brendieck-Worm et al. 2021).

Leberzellschutz

Durch eine Adipositas wird immer die Leber in Mitleidenschaft gezogen. Hier können Arzneipflanzen wie Mariendistel (HR 13, Feb.2021), Artischocke, Bockshornklee und Curcuma als Antioxidativa, Radikalfänger und Antiphlogistika zellschützende Eigenschaften entfalten. Sie werden in Ergänzungsfuttermitteln oft kombiniert. Bei manifesten Leberzellschäden bewähren sich folgende Dosierungen:

Mariendistelfrüchte:

  • 30-40 mg/kg KGW pulverisierte Droge, 1 x/d oder
  • 4-10 mg/kg KGW Trockenextrakt, standardisiert auf 80% Silymarin, 2-3x/d oder
  • 2-4 Tr. Tinktur (1:5), 2x/d

Artischocke:

  • 100 mg /kg KGW pulverisierte Droge, 3x/d oder
  • 10-16 mg/kg KGW Trockenextrakt, 3x/d oder
  • 4-6 Tr. /kg KGW Tinktur, 2x/d

Optimierung von Gallefluss und Fettstoffwechsel

Funktionelle Störungen von Gallenblase und Fettstoffwechsel können z.B. durch bitterstoffreiche Pflanzen wie Schafgarbe, Wermut, Artischocke und Löwenzahn vermieden oder behoben werden. Diese „Cholagoga“ regen die Produktion einer dünnflüssigen Galle an, lösen Spasmen in Gallenwegen und Gallenblase, aktivieren die rhythmische Kontraktion der Gallenblase und verhindern die Bildung von Gries und Steinen. Sie wirken verdauungsfördernd, karminativ und antiphlogistisch. Darüber hinaus haben Bitterstoffe weitreichende Wirkungen auf den gesamten Organismus (HR 32, Okt. 2024).

Auch Ätherischöl-Drogen wie Kümmel, Fenchel und Pfefferminze unterstützen Stoffwechsel und Verdauung.

Bewährte Phytotherapeutika bei Diabetes mellitus Typ II

Gegen Störungen des Blutzuckerhaushaltes werden in der Phytotherapie Bockshornkleesamen eingesetzt. Sie senken den Blutzucker und wirken durch Minderung der Fettaufnahme der Hyperlipoproteinämie entgegen. Sie reduzieren die Bildung von Gallensteinen und forcieren durch ihre Bitterstoffe die Sekretion aller Verdauungssekrete (HR 16, Aug 2021).

Auch Weihrauch gilt als Multitalent gegen das Metabolische Syndrom. Er senkt den Blutinsulinspiegel, unterstützt die Regeneration der β-Zellen des Pankreas und verbessert die Leberfunktionen durch Triglyceridabbau. Das insulinregulierende, antiatherogen und antiinflammatorisch wirkende Fettgewebshormon Adiponektin wird vermehrt gebildet und das Hungergefühl lässt nach (Mahdian et al., 2020).

Auch Zimt hat vielfältige positive Wirkungen bei Diabetes und anderen pathologischen Veränderungen beim Metabolischen Syndrom (Mollazadeh et al., 2016).

Pflanzliche Nahrungsmittel zur Unterstützung des Glukosestoffwechsels

Die Polyphenole, insbesondere die Flavonoide in der Nahrung sind für die Kontrolle des Glucosestoffwechsels von besonderer Bedeutung, z.B.: Luteolin und Apigenin in Sellerie, Petersilie und Paprika, Quercetin und Kaempferol in Brokkoli und Tomaten, Hesperetin und Naringenin in Citrusfrüchten, Catechin und Gallotannin in Grüntee, Früchten und Bohnen, Anthozyanidine in Johannis- und Holunderbeeren (Kim et al., 2016).

Fazit

Pflanzen bieten individuelle Präventions- und Therapiemöglichkeiten bei Adipositas und dem aus ihr resultierenden Metabolischen Syndrom. Von gesundheitserhaltender Fütterung mit sekundärstoffreichen Pflanzen über Leberschutzmaßnahmen und Regulierung von Fettverdauung und Blutzuckerspiegel lassen sich alle Stadien dieses Syndroms positiv beeinflussen. Dadurch können nebenwirkungsreichen Synthetika reduziert werden. Auf eine Änderung der Lebens- und Fütterungsbedingungen kann allerdings keinesfalls verzichtet werden.

Literatur

  • Koliaki, C., Dalamaga, M., & Liatis, S. (2023). Update on the Obesity Epidemic: Is the Sharp Rise of the Evil Empire Truly Levelling Off? Current Obesity Reports.
  • Eric Schlosser: Fast Food Gesellschaft – fette Gewinne, faules System. Riemann One Earth Spirit, 2000
  • Fritz, J. (2019). Vor der Kastration ist nach der Kastration–Beratungshilfen zur Fütterung (frisch) kastrierter Tiere. Leipziger Blaue Hefte, 336.
  • Kölle P, Baum L, Ziese AL, Moritz J (2023): Adipositas bei Hund und Katze – ein unterschätztes Tierschutzproblem. Der Praktische Tierarzt 104; 20-31
  • Handl S, Iben C: Aktuelles zur Adipositas bei Hund und Katze I: Risikofaktoren, assoziierte Erkrankungen und pathophysiologische Hintergründe. In: Kleintierpraxis. 57, 2012, S. 196–210.
  • Brendieck-Worm C, Melzig MF (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Aufl., Thieme Verlag
  • Eisenstecken E et.al. 2012: Molekulare Stoffwechselsensorik bei durch Adipositas induzierter Entzündung. https://www.karger.com/Article...
  • Mahdian, D., Abbaszadeh-Goudarzi, K., Raoofi, A., Dadashizadeh, G., Abroudi, M., Zarepour, E., & Hosseinzadeh, H. (2020). Effect of Boswellia species on the metabolic syndrome: A review. Iranian journal of basic medical sciences, 23(11), 1374.
  • Mollazadeh H, Hosseinzadeh H. (2016). Cinnamon effects on metabolic syndrome: a review based on its mechanisms. Iranian journal of basic medical sciences, 19(12), 1258.
  • Kim, Y., Keogh, J. B., & Clifton, P. M. (2016). Polyphenols and glycemic control. Nutrients, 8(1), 17.