Klinische Studie zur Fluoreszenz basierten intraoperativen Darstellung von Weichteilsarkomen beim Hund

Portrait PD Dr. Mirja Nolff
von PD Dr. Mirja Nolff – 24.05.2021

Diagnose „Weichteilsarkom″ – was nun?

Als Weichteilsarkome bezeichnet man eine Gruppe verschiedener Tumorformen, die sich aus dem Binde- oder Muskelgewebe des Körpers entwickeln können. Unabhängig vom Ursprungsgewebe zeichnen sich Weichteilsarkome vor allem dadurch aus, dass sie in das umliegende Gewebe einwachsen (lokal invasives Wachstum). Ableger (Metastasen) bilden sie nur selten. Die Therapie der Wahl ist die vollständige chirurgische Entfernung. Da der Chirurg die zellulären Ausläufer des Tumors in der OP aktuell nicht sehen kann, wird der Tumor mit einem Sicherheitsabstand von 2-3 cm entfernt. Dieser Sicherheitsabstand ist jedoch nicht sehr präzise, so dass bei 20-70% aller Eingriffe trotz des Randes Tumorzellen zurückbleiben.

Prognose

Der wichtigste prognostische Faktor neben Tumortyp und Grad ist der Erfolg der OP. Bei Patienten mit komplett entfernten Tumoren wächst der Tumor nur in 0-10% aller Fälle wieder nach. Kann der Tumor nicht komplett entfernt werden, bilden 30-75% der betroffenen Hunde wieder einen Tumor an der gleichen Stelle.

Ziel der Studie

Da die vollständige Entfernung so wichtig ist, arbeiten wir an einer Möglichkeit, Tumorgrenzen wähed der OP durch Fluoreszenzlicht sichtbar zu machen. Dadurch wird eine präzisere Operation ermöglicht.

Start der Studie

Patienten können seit Mitte Februar 2021 in die Studie aufgenommen werden. Wenn Sie einen betroffenen Hund haben, melden Sie sich gerne bei PD Dr. Mirja Nolff (mirjachristine.nolff@uzh.ch).

Ablauf der Studie

Welche Behandlung Ihr Hund erhält (Standard OP mit Sicherheitsrand oder OP unter Fluoreszenz-Kontrolle) wird vor Beginn der Operation zugelost. Wenn ihr Hund an der Studie teilnehmen soll, muss er 36 Stunden vor der OP in der Klinik aufgenommen werden. Wir spritzen dann entweder einen Fluoreszenzfarbstoff oder Kochsalzlösung. Weder der Chirurg noch Sie wissen, ob Ihr Hund den Farbstoff oder ein Placebo bekommen hat. Die Operation wird durch einen spezialisierten Onkochirurgen durchgeführt. Die Dauer des stationären Aufenthaltes richtet sich nach dem Umfang des benötigten Eingriffes. Gelingt eine vollständige Entfernung nicht, gibt es die Möglichkeit einer Nachbestrahlung.

Vor- und Nachteile einer Studienteilnahme

Mit der Teilnahme an der Studie unterstützen Sie unsere Forschung und ermöglichen eine bessere Therapie zukünftiger Patienten. Als Patientenbesitzer profitieren Sie zudem von einem reduzierten Preis des chirurgischen Eingriffs sowie der Kontrollen nach dem Eingriff. Ihr Hund wird in jedem Fall nach den gegenwärtigen Regeln der Kunst operiert und kann im besten Fall zudem von der verbesserten Präzision durch den Farbstoff profitieren. Das Medikament wurde bereits sehr erfolgreich bei Katzen eingesetzt. Als Nebenwirkungen können leichte allergische Reaktionen (Hautschwellungen, Pustelbildung) auftreten, die sich jedoch mit Medikamenten behandeln lassen. Für den Farbstoff, den wir verwenden, wurde bei Katzen und Mäusen jedoch bisher keine entsprechende Reaktion dokumentiert. Um die Sicherheit Ihres Hundes zu jeder Zeit zu gewährleisten, werden die Patienten nach Injektion des Farbstoffes durchgehend von einem Tierarzt überwacht, der bei Bedarf umgehend ein anti-allergenes Medikament geben kann.

Die Kosten für den Farbstoff werden komplett durch die Studie finanziert, eine Operation unter Fluoreszenzkontrolle außerhalb dieser Studie ist derzeit aufgrund der hohen Kosten für den Farbstoff nicht möglich. Durch die Unterstützung des Legat Bachofner können wir den Farbstoff für Sie umsonst anbieten.