Zeckenenzephalitis bei Hunden - Erstnachweis im Raum Hannover

Zecken können verschiedene Infektionserreger beherbergen. Unter anderem können sie Viren übertragen, die bei Menschen und Tieren Gehirnentzündungen auslösen können. In der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) wurde die sogenannte zentraleuropäische Zeckenenzephalitis (auch Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME) im vergangenen Halbjahr bei zwei Hunden diagnostiziert. Die Behandlung der beiden Hunde führten Professorin Dr. Andrea Tipold und Tierärztin Dr. Jasmin Nessler, Klinik für Kleintiere, durch. Professorin Tipold sagt: „Das ist sehr bemerkenswert, weil bisher nicht vermutet wurde, dass Zecken mit entsprechendem Virusbefall im hannoverschen Raum vorkommen.“ Beide Hunde hatten den norddeutschen Raum nie verlassen. Sie infizierten sich vermutlich im Raum Hannover. Bei den Hunden handelt es sich um einen zwölf Jahre alten Mischlingsrüden und einen dreijährigen Bernhardiner. Beide Hunde hatten eine schwere Enzephalomyelitis, für beide endete die Erkrankung tödlich. Professor Dr. Wolfgang Baumgärtner, Institut für Pathologie, erklärt: „Wir konnten das Virus in der Pathologie durch Spezialfärbungen nachweisen.“

 
Laut der aktuellsten Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts vom Mai 2016 besteht in Deutschland ein Risiko für eine Zeckenenzephalitis vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und einzelnen Landkreisen in Rheinland-Pfalz und Thüringen. In diesen Risikogebieten tragen etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus in sich – eine Ansteckung ist folglich recht unwahrscheinlich. Dennoch rät Professorin Tipold vorzubeugen. Sogenannte Kontakt-Antiparasitika schützen vor Zecken. Die Zecken sterben spätestens, wenn sie die Wirkstoffe beim Blutsaugen aufnehmen. So wird die Übertragung der Erreger auf die Haustiere verhindert. Das Risiko der Erregerübertragung wird so deutlich vermindert. Auch sollten Hundebesitzer ihre Tiere nach dem Spaziergang nach Zecken absuchen. Eine Impfung gegen die zentraleuropäische Zeckenenzephalitis  – wie sie für Menschen gegen FSME verfügbar ist – gibt es für Hunde bisher nicht.
 
Bei Tieren tritt die Erkrankung vergleichsweise selten auf, hauptsächlich erkranken Menschen an den Gehirnentzündungen. Professorin Tipold erklärt: „Tiere besitzen eine hohe natürliche Resistenz gegenüber diesen Viren. Es kommt selten zu klinischen Symptomen.“ Infiziert sich ein Hund, kann das Immunsystem die Viren häufig effektiv bekämpfen. Gefährdet sind demnach hauptsächlich immungeschwächte Tiere. Bei ihnen kann es in Ausnahmefällen zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen, die häufig tödlich enden. Erste Symptome können hohes Fieber, Schwäche sowie Bewegungsstörungen sein. Später kann es bei betroffenen Hunden zu Lähmungen, Übererregbarkeit und Krampfanfällen kommen.
 
Eine sichere Diagnose, ob es sich bei einer Erkrankung um zentraleuropäische Zeckenenzephalitis handelt, gibt es bisher nicht. Mit einer Blutuntersuchung kann zwar getestet werden, ob die Hunde Antikörper gegen das Virus gebildet haben, da Hunde nach einer Infektion aber nicht unbedingt Symptome zeigen, ist diese Nachweismethode nur bedingt aussagekräftig. „Ein genetischer Virusnachweis im Liquor cerebrospinalis (Gehirnflüssigkeit, Hirnwasser) kann aber einen Hinweis geben – wie in einem der beschriebenen Fälle“, sagt Dr. Nessler. Bei bereits verstorbenen Hunden kann eine Obduktion Klarheit verschaffen, wie sie auch für die beiden Hunde, die in der Klinik für Kleintiere vorgestellt wurden, durchgeführt wurde. Die Bestätigung der Diagnose erfolgte im Institut für Pathologie der TiHo. „Wissenschaftler des TiHo-Research Center for Emerging Infections and Zoonosis (RIZ) werden jetzt die Genome der isolierten Viren untersuchen und charakterisieren“, teilte RIZ-Leiter Professor Dr. Albert Osterhaus mit.  
 
Der Überträger der Krankheit ist der Gemeine Holzbock (Ixodes Ricinus). Die Zeckenart kommt in ganz Deutschland vor und nutzt den Menschen, Hunde und Katzen, aber auch Rinder, Schafen und Ziegen als Wirte. Die Infektion mit dem Virus erfolgt nach einem Zeckenbiss, die Übertragung über den Speichel der Zecke. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt zehn Tage, kann aber zwischen einer Woche und einem Monat variieren.