Wenn der vierbeinige Freund Mundgeruch hat ...

Billy durfte ausnahmsweise mit Frauchen auf der Rückbank im Auto mitfahren. Vor lauter Aufregung wurde gehechelt. Der Geruch, der dabei nach vorne zur Fahrerin gelangte, war unerträglich.  

Als neunjähriger Mischlingsrüde mit Mundgeruch wurde er mir vorgestellt und zeigte sich in der Untersuchung seiner Zähne sehr kooperativ. Brav ließ er es über sich ergehen, genau betrachtet zu werden. Schon dabei fiel der üble Geruch in seiner Schnauze auf. Außen auf den Zähnen befand sich einiges an Zahnstein. Soviel, dass sich das Zahnfleisch bereits an einigen Stellen zurückgezogen hatte. Ein paar Zähne waren schon gelockert.

Weiter hinten, noch hinter dem Maulwinkel wurde die Schwere seiner Zahnprobleme sichtbar: millimeterdicker Zahnstein lag auf freigelegten Wurzeln, dazwischen Entzündungsgewebe, dicke Beläge (Plaque) und Eiter. Hier lag eine schwere Veränderung durch die jahrelange Arbeit von Bakterien vor. Den Besitzern war sofort klar, dass kein Putzen oder Zahnsteinentfernen allein helfen würde und vereinbarten einen Operationstermin. Zur Vorbereitung bekam Billy ein Antibiotikum.

In einer zweistündigen Operation wurden Billy 13 Zähne gezogen. Viele davon hatten mehrere (zwei oder drei) Wurzeln, die erst voneinander getrennt werden mussten. Intraorale Röntgenaufnahmen halfen dabei, entzündete „Zähne“ (es entzündet sich der Zahnhalteapparat) und Zahnwurzelreste aufzuspüren. Die relativ großen Wunden im Kiefer von Billy mussten genäht werden.

Hinweise auf eine Parodontitis

Übler Geruch aus dem Maul, einseitiges Kauen, Handscheue, plötzliches Jaulen beim Fressen können Hinweise auf eine Parodontitis (Entzündung des Gewebes, welches den Zahn festhält) sein. Dies ist die häufigste Erkrankung der Hunde. Über 50 Prozent aller Hunde über fünf Jahre sind betroffen; angefangen mit einer leichten Zahnfleischentzündung bis hin zu schweren Veränderungen wie bei Billy. Diese Tiere haben Schmerzen und eine eingeschränkte Lebensfreude. Da der Prozess schleichend ist, wird häufig wird erst nach der Therapie dieser Erkrankung sichtbar, wie befreit diese Tiere sich benehmen. Die Ursachen dafür liegen unter anderem in der Form und dem Verhältnis von Kiefer und Zähnen. Kleine Hunde haben häufig zu große Zähne; bei kurzköpfigen Rassen stehen die Zähne quer zueinander. Dann kann der Selbstreinigungseffekt durch hecheln und kauen nicht mehr greifen, die Beläge bleiben am Zahn haften und fördern die Bildung von Zahnstein, der wiederum Bakterien beheimatet, die zum Zahnfleischrückgang und Entzündungen führen.

Tägliches Zähneputzen mit geschmackvoller Zahnpasta

Um die Parodontitis zu vermeiden, muss der Plaque im Griff behalten werden. Tägliches Zähneputzen mit geschmackvoller Zahnpasta (Hundegeschmack!) zusätzlich zu guten Kauartikeln, regelmäßige Kontrolle bei versierten Tierärzten und professionelle Zahnreinigung nicht erst im Endstadium, helfen die schweren Formen dieser Erkrankung zu vermeiden. Billy hatte schon drei Tage nach der Operation wieder Lust zum Ballspiel, welches er schon vor drei Jahren abgelehnt hatte. Sein Atem ist wieder frisch. Nur das Zähneputzen muss er noch lernen. Da ist er noch etwas widerspenstig.