Orale Papillomatose beim Hund

Am 3. April 2013 wurde in der Praxis ein Mischlingsrüde, geboren im Juni 2012, 36,5 Kilogramm schwer, wegen Zubildungen im Bereich der Lefzen und der Maulhöhle vorgestellt. Der Hund war kurz zuvor aus einer unsachgemäßen Tierhaltung beschlagnahmt worden. Am Tag der Vorstellung hatte der Hund massenhaft Warzen im Lefzenbereich, an der Backenschleimhaut, dem Zahnfleisch, auf der Zuge und am Gaumen. Der Kopfbereich wies einen extremen Verwesungsgeruch auf, ansonsten war der Hund munter, gut genährt, bisher einmal entwurmt und nicht geimpft. Es war nicht bekannt, wie lange die Zubildungen schon vorhanden waren.

Diagnose: Orale, kutane Papillomatose

Die Lokalisation und die Art und Größe der Zubildungen sowie das Alter des Tieres sprachen für die Diagnose orale (Maulbereich) und kutane (kutis = Haut) Papillomatose. Die canine (canis = Hund) Papillomatose wird durch das Papillomavirus ausgelöst. Es verursacht bei jungen Hunden (ohne Rücksicht auf Rasse oder Geschlecht) gestielte, weißlich-gräuliche, warzenartige Zubildungen, die in der Regel nicht schmerzhaft sind und eine Größe von wenigen Millimetern bis zu drei Zentimetern Durchmesser haben können. Diese Neubildungen können einzeln, in kleinen Gruppen oder massenhaft auftreten.

Papillomavirusträger kann jeder Hund sein. Vermutlich kommt es durch eine (vorübergehende) Schwächung im Immunsystem zu einer Vermehrung der Viren und damit zu klinischen Symptomen. Immunschwächend können der Zahnwechsel, die erste Läufigkeit, starke Verwurmung, sozialer Stress, Klima- und Umweltwechsel bei Importhunden oder ernsthafte andere Erkrankungen sein. Oft aber lässt sich der Auslöser nicht ermitteln.

Meist handelt es sich um Zufallsbefunde, weil der Besitzer seinem Hund zum Beispiel beim Gähnen ins Maul schaut. Das Virus wird vermutlich in erster Linie von der Hündin durch das Belecken mit infiziertem Speichel auf ihre Welpen übertragen. Soweit bekannt besteht keine Ansteckungsgefahr für den Menschen.

Therapie: Ruhe bewahren! 

Im Allgemeinen heilen die Warzen innerhalb von 2-3 Monaten spontan wieder ab. In der Literatur wird aber auch in hartnäckigen Fällen von operativer Entfernung mittels Schnitt-, Kälte- oder Elektrochirurgie, CO2-Läser, immunmodulatorischen Spritzen und Salben sowie Autovakzinen aus den Warzen berichtet. 

In diesem Fall haben wir in Absprache mit dem Besitzer folgendes Therapieschema eingesetzt: Zunächst wurden der Hund und alle seine Kontakttiere konsequent entwurmt. Zusätzlich hat er eine Spritzenkur (insgesamt drei Injektionen) mit einem inaktiviertem Parapoxvirus zur Stimulierung der unspezifischen Immunmechanismen bekommen. Als weitere unterstützende Maßnahme wurde eine homöopatische Tinktur und zwei weitere Homöopathika nach Plan verabreicht.

Der Heilungsverlauf.

Kontrolltermin am 13.04.2013. Der Fäulnisgeruch lässt deutlich nach, und einigen Warzen sind schon kleiner geworden (Foto 2).

Kontrolltermin 26.04.2013. Der Patientenbesitzer findet jetzt ständig abgefallene Warzen im Wassernapf oder auf dem Fußboden. Etliche Warzen lassen sich jetzt ganz leicht von der Hautoberfläche „abpflücken“. Der Fäulnisgeruch ist nur noch minimal vorhanden. (Foto 3)

Kontrolltermin am 24.05.2013. Einen weiteren Monat später sind bis auf zwei kleine, noch in Abheilung befindliche, Stellen alle Warzen verschwunden. (Foto 4)

Zwischenzeitlich haben Spielkameraden dieses Hundes ebenfalls vereinzelt Warzen im Maulbereich entwickelt. Durch gemeinsame Spaziergänge können sich Tiere nicht anstecken, wohl aber durch intensivem Kontakt mit infiziertem Speichel zum Beispiel bei Spielen, intensiver, gegenseitiger Körperpflege oder Nutzung der gleichen Wasser- und Fressnäpfe.