Nasentumor bei einem Rhodesian Ridgeback "Chuma"

In der Diagnostik von Nasenerkrankungen spielt die Computertomographie (CT) eine zentrale Rolle. Von außen ist nur der kleinste Teil der Nase, nämlich Nasenspiegel und Nasenlöcher beurteilbar. Der weitaus größte Anteil der Nase versteckt sich jedoch geschützt von Knochenplatten. Das Innere der Nase ist aus vielen kleinen Knochenlamellen mit Schleimhautüberzug labyrinthartig angeordnet. Mittels der Computertomographie ist es möglich, dieses Labyrinth virtuell in millimeterkleine Scheibchen zu schneiden, weswegen Erkrankungen genau lokalisiert werden können und in vielen Fällen schon der Charakter einer Erkrankung (z.B. entzündlich, tumorös, aggressiv, gutartig,...) beurteilt werden kann. 

In aller Regel kann dann die Verdachtsdiagnose mittels Rhinoskopie (Nasenspiegelung) und begleitender Probenentnahme (Gewebeprobenentnahme mittels kleiner Zange) bestätigt oder eine genaue Differenzierung verschiedener Erkrankungen ermöglicht werden. Durch die genaue Lokalisation des Erkrankungsursprungs mittels CT im Vorfeld, ist der Erkrankungsherd in der Rhinoskopie (Nasenspiegelung) im Nasenlabyrinth leichter aufzufinden, was den diagnostischen Nutzen der Probenentnahme deutlich verbessert. Alternativ können bei einem Tumorverdacht direkt Computertomographie-gestützt Gewebeproben aus der Tumormasse entnommen werden. 

Fallvorstellung

Die siebenjährige Rhodesian Ridgeback-Hündin „Chuma“ wird wegen eines seit drei Wochen bestehenden blutig-eitrigen Nasenausflusses im Zentrum für Tiergesundheit, Baden-Baden vorstellig (Abb. 1). In der allgemeinen klinischen Untersuchung sind die Vitalparameter in der Norm, der Hund ist von gutem Allgemeinbefinden. Aus dem linken Nasenloch ist blutig-schleimiger Ausfluss erkennbar. Die regionalen Lymphknoten sind klein und seitensymmetrisch.

Differentialdiagnosen (mögliche Ursachen) für einseitigen Nasenausfluss können beispielsweise sein:
* Neoplasie (Tumor)
* Fremdkörper und begleitende Rhinitis (Nasenentzündung)
* Aspergillose (Pilzerkrankung)

Um diese in Frage kommenden Erkrankungen näher einzugrenzen und über mögliche Therapieoptionen zu entscheiden, sowie um ggf. eine Prognose abgeben zu können, wird bei Chuma ein CT durchgeführt.

Computertomographie
Die Hündin bekommt einen Venenzugang und über diesen die Medikamente für eine Vollnarkose. Sobald sie schläft, wird sie intubiert, im CT positioniert (Abb. 2) und an eine Inhalationsnarkose (Sauerstoff-Gas-Gemisch), sowie an den Überwachungsmonitor (Abb. 3) angeschlossen. Die Anästhesistin bleibt bei dem Tier, bis zur eigentlichen Bildaufnahme. Es folgt ein sogenannter nativer Scan. Im Anschluss bekommt der Hund über den Venenzugang ein Kontrastmittel injiziert und die zu untersuchende Region wird erneut gescannt. Durch die Kontrastmittelgabe und die unterschiedliche Anreicherung des Kontrastmittels im Gewebe wird eine bessere Differenzierung verschiedener Prozesse ermöglicht (z.B. Tumor oder Entzündung).

In der Computertomographie der Nase stellt sich in der linken Nasenhöhle eine Masse dar, welche eine geringgradige Lyse (Zerstörung) des angrenzenden Knochens bewirkt (Abb. 4). Die Nasenscheidewand wird dezent nach rechts verlagert. Nach intravenöser Kontrastmittelgabe zeigt sich eine anteilige Kontrastmittelanreicherung in der Masse (Hinweise auf vorhandene Durchblutung), sowie kontrastaussparende Bereiche (Ansammlungen von Schleim, Flüssigkeiten...). Aufgrund des CT's besteht der Verdacht auf einen bösartigen nasalen Tumor.  Es werden CT-gestützt Gewebeproben entnommen. Das bedeutet, dass die Biopsienadel mit Hilfe von CT-Bildern (wie ein Wegweiser) in der verdächtigen Masse positioniert wird und somit eine Probenentnahme aus den relevanten Bereichen erfolgen kann (Abb. 5 a und b). Das Ergebnis der auf diese Art gewonnenen Probe bestätigt den Verdacht und es wird ein Adenokarzinom (bösartiger Tumor) diagnostiziert.

Diagnose: Adenokarzinom (bösartiger Tumor)

Nasenausfluss beim Hund stellt immer eine diagnostische Herausforderung dar, da der Tierarzt von außen aufgrund Dauer der Erkrankung, Beschaffenheit des Ausflusses, sowie Tierart und Alter nur abschätzen kann, was wirklich dahinter steckt. Ältere und langnasige Patienten neigen eher zu Nasentumoren, als junge oder kurznasige Rassen. Aktive Hunde (z.B. Jagdhunde) oder ständige Mäuseloch-Buddler können beispielsweise Fremdkörper einatmen oder eine Pilzerkrankung bekommen. Generell gilt: Langnasen haben eher Erkankungen des Riechorgans, als Kurznasen. Beim Auftreten von Nasenbluten sollte möglichst unterschieden werden, ob es sich um einseitigen oder beidseitigen Nasenausfluss handelt. Beidseitiger blutiger Nasenausfluss kann eher ein Hinweis auf eine Gerinnungsstörung (z.B. Rattengift-Intoxikation) darstellen. Einseitiger blutiger Nasenausfluss kann eher ein Hinweis auf eine Tumorerkankung sein.

Die Computertomographie ermöglicht eine detaillierte Beurteilung von Schweregrad und Ausmaß der Erkrankung. Von Bedeutung ist beispielsweise, ob die Grenze zum Neurokranium (Gehirn), insbesondere zum unmittelbar an die Nase angrenzenden Riechhirn intakt oder zerstört ist. Diese Aussage hat einen großen Einfluss auf die Prognose des Patienten. Ebenso ermöglicht die CT eine gezielte Probenentnahme. Besonders bei der Fragestellung nach knöchernen Veränderungen liefert die CT viele Informationen.

Die Computertomographie funktioniert mittels Röntgenstrahlen, die sich kreisförmig um den Patienten drehen und somit Schnittbilder produzieren. Hierbei darf der Patient sich keinen Millimeter bewegen, weswegen in der Tiermedizin ein CT nur in Vollnarkose durchgeführt werden kann (Ausnahme: polytraumatische Tiere). Der Informationsgewinn ist im CT insgesamt im Vergleich zum Röntgen wesentlich höher, da beim Röntgen ein sogenanntes Summationsbild entsteht und sich somit Organe überlagern. Durch die Scheibchenmethode beim CT wird die Überlagerung umgangen. Die Bilderaufnahme umfasst einen Zeitrahmen von wenigen Sekunden bis maximal wenigen Minuten. Die Dauer eines CT ist abhängig von der Größe der untersuchten Region, sowie vom Gerät selber. Sogenannte mehrzeilige CT's sind schneller als Einzeiler. Die Computertomographie bei Chuma erfolgt mittels einem 16-Zeiler, weswegen die Gesamtscandauer für die Nase nur wenige Sekunden beträgt. Der Tierarzt ist während dieser Zeit nicht unmittelbar neben dem Tier, sondern über eine Bleiglasscheibe vor Strahlung geschützt. Die Scheibe ermöglicht zugleich eine ununterbrochene Narkoseüberwachung. Durch die CT ist es möglich das Innere der Nase vollständig und systematisch zu untersuchen, was für die Diagnosestellung von Nasenerkrankungen von entscheidender Bedeutung ist.

Aufgrund des CT’s und der damit verbundenen Probenentnahme kann bei Chuma eine eindeutige Diagnose erhoben werden und mit den Besitzern über mögliche Therapiemaßnahmen (z.B. Bestrahlungstherapie) entschieden und eine Einschätzung der Prognose abgegeben werden.