Maulhygiene beim Hund - und es funktioniert doch!

Putzen Sie sich täglich die Zähne? Welche Frage, denkt man. Natürlich putze ich Zähne, normalerweise mindestens zweimal täglich, benutze Zahnseide und gurgel noch mit Chorhexidinlösung, ist doch klar! Wenn Sie so denken, freuen sich Ihr Zahnarzt und Ihre Zähne ebenfalls. Zum Dank bleiben sie Ihnen auch noch lange erhalten und machen wenig Ärger. So weit so gut.

Wie aber sieht es mit dem Gebiss Ihres Hundes aus?

Der hat ja auch jede Menge Zähne, die gepflegt werden wollen. Und genau darüber möchte ich Sie gerne ausführlich beraten: Ihr Liebling hat rasseabhängig bis zu 42 Zähne: Schneidezähne, Backenzähne, Fangzähne. Sie alle bestehen aus Krone und Wurzel, umgeben von Knochen und Zahnfleisch und sind eingebettet in ihrem Zahnhalteapparat. Den Umschlagplatz von Zahnfleisch zu Knochen bildet eine physiologische Tasche, diese sollte beim Hund ca. 2 mm tief sein. Wie bei uns Menschen, bildet sich im ganz normalen Alltag ständig eine Schicht Zahnbelag, anfangs nicht sichtbar (Plaque), der mit zunehmender Zeit als schleimig bräunliche Schicht erkennbar wird und, wenn man eben nicht aktiv wird, der ideale Nährboden für Bakterien darstellt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt entwickelt dieser Zustand eine Eigendynamik. Die Bakterien ärgern das Zahnfleisch, das wehrt sich. Es entsteht eine Entzündung und eine Schwellung. Die Taschen werden tiefer, worin sich die Bakterien erst richtig wohlfühlen. Warm, weich, dunkel, feucht eine richtige Brutkammer. Wenn sich dann auch noch Mineralien ablagern und sich der weit bekannte Zahnstein bildet, wird diese Tasche mit den Insassen auch noch nach außen hin abgeschlossen und keine Spucke der Welt, geschweige denn eine Zahncreme oder Bürste, erreicht mehr diese Enklave, um sie zu säubern. 

In aller Gemütsruhe können die Bakterien ihr zerstörerisches Werk fortsetzen. Zahnfleisch ist dann schon lange nicht mehr interessant, jetzt kommt der Knochen dran. Die Zähne werden locker, der Halteapparat macht schlapp und die Hunde verlieren ihre Zähne im günstigsten Fall. Der Fachausdruck für diese Erkrankung heißt Parodontitis. Häufig jedoch sind die erwähnten Taschen eitrig infiziert, der Zahnstein hält alles zusammen, der Hund stinkt aus dem Maul und darf nicht mehr auf die Couch. Spätestens jetzt hängt der Haussegen schief! Hier hilft nur noch eine professionelle Zahnreinigung durch Ihren Tierarzt mit ultraschallgeführter Beseitigung des Zahnsteins, parodontologischer Untersuchung der Zähne mittels Sonde, röntgenologischer Untersuchung des Wurzelapparates, Spülung und Säuberung der vorhandenen Taschen, Extraktion der hoffnungslosen Fälle und Politur der verbliebenen Zähne (Bilder 1-3). Dies funktioniert nur richtig in Vollnarkose! Aber so weit muss es gar nicht kommen. Das sollte möglichst nur Plan B sein!

Plan A sieht folgendermaßen aus: Prophylaxe heißt das Zauberwort. Gewöhnen Sie Ihren Hund frühzeitig an die tägliche Säuberung der Zähne. Es sollte ein normales Ritual werden, nicht nur im Kopf Ihres Hundes sondern auch bei Ihnen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn der Hund anfangs wenig bis gar keine Freude an dem neuen Interesse von Herrchen / Frauchen an seinem Maul hat. Das Entscheidende ist die regelmäßige, möglichst zweimal tägliche Entfernung des Zahnbelages von den Zähnen. Wenn es nicht mit der Zahnbürste möglich ist, weil Ihr Hund zum Headbanger wird, machen Sie es doch einfach mit dem Finger. Nehmen Sie ein Geschirrspültuch, wickeln Sie es sich um den Finger und fahren damit die Zahnreihen Ihres Hundes ab. Immer auch die Lefze anheben und die hinteren Partien nicht aussparen! In meinem Klientel sind es ganz oft die hinteren Backenzähne, die zahnhygienetechnisch ein bescheidenes Dasein fristen. Wenn Sie die Zahnbürste als nicht schädliches, tägliches Ritual in das Leben Ihres Hundes eingeführt haben, putzen Sie gründlich, aber nicht mit zuviel Druck. Die Außenseiten des Gebisses sind immer am stärksten von Zahnbelag betroffen, weil dort die Selbstreinigungskräfte des Speichels nicht gut hinkommen, Ihre Zahnbürste schon. Auf diese Regionen sollte sich das Hauptaugenmerk richten. Die Innenseiten der Zähne sind nur über Öffnen des Fanges zu erreichen.

Wichtig ist: keine Rangkämpfe. Sie verlieren!
Haben Sie erst einmal den Zahnbelag als schleimigen Schmodder von den Zähnen entfernt, nehmen Sie eine frische Stelle ihres Provisoriums (Geschirrtuch), bzw. säubern Sie die Zahnbürste und tragen eine tiermedizinisch zugelassene Zahncreme auf. Diese sollte ein Enzym enthalten, das die verbliebenen Futterreste zwischen den Zähnen und in den Taschen aufspaltet, d.h. Ihre Aufgabe ist es, die Creme in die Zwischenzahnräume einzubringen. Sie verbleibt dort und tut ihr Werk. Ein weiterer Eckpfeiler im Kampf gegen die Parodontitis ist die Desinfektion mit einer Chlorhexidinlösung. Regelmäßig aufgetragen, senkt sie den Keimdruck im Maul nachhaltig und hilft so, das Fortschreiten der Veränderungen am Kauapparat aufzuhalten. Und wenn Ihr Liebling unbestechlich den Kopf zur Seite dreht, wenn Sie mit dem „Jetzt putzen wir Zähne“ Gesicht auftauchen oder sogar durch Blecken derselben zu verstehen gibt, was er von der Sache hält, gibt es immer noch Dentalkausticks oder Zahnfutter mit besonders bearbeiteter Oberfläche, die einen gewissen Putzeffekt haben. Auch Trinkwasserzusätze, die über einen ganz anderen Ansatz helfen, die Zahnbelagsbildung (Sie erinnern sich, die Ursache allen Übels!) zu reduzieren, sind auf dem Markt. Diese Lotionen verändern die Hafteigenschaften des Zahnbelages. Die speziellen Klebstoffe der Plaque werden zersetzt, so dass der Zahnbelag gar nicht erst richtig anhaften kann. Es gilt auch bei der Zahngesundheit Ihres Lieblings: Es ist immer besser, irgend etwas zu tun, als von vorne herein die Flinte ins Korn zu werfen und dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. Legen Sie los! Ich wünsche Ihnen ganz herzlich einen langen Atem, ihrem Hund einen guten Atem und Ihnen beiden noch viele harmonische Stunden auf der gemeinsamen Couch.