Helminthen beim Hund

Warum regelmäßiges Entwurmen oder eine Kotuntersuchung auf Wurmbefall so wichtig ist

Hunde bringen viel Freude – sie können aber manchmal auch Krankheitserreger mit sich bringen. Dazu zählen vor allem Parasiten, von denen manche als Zoonose-Erreger sowohl den Tieren als auch den Besitzerinnen oder Besitzern schaden können. Gerade bei Spul- und Bandwürmern geht es beim Entwurmen also immer um den Schutz der Gesundheit von Tier UND Mensch. Eine regelmäßige, mindestens einmal jährliche Wurmkur sollte selbstverständlich sein. Unter bestimmten Voraussetzungen wird sogar eine monatliche Wurmkur empfohlen. Die Aufklärung und Beratung der Hundebesitzerinnen und -besitzer hinsichtlich einer individuell angepassten Parasitenkontrolle ist damit eine wichtige Aufgabe in der tierärztlichen Praxis.

Individuelles Ansteckungsrisiko bestimmen

Die Vereinigung von Veterinärparasitologen/-innen ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) hat Empfehlungen zur Untersuchungs- bzw. Entwurmungshäufigkeit erstellt. Diese Empfehlung variiert je individuellem Ansteckungsrisiko. Grundsätzlich beeinflussen folgende Faktoren das Risiko von Parasiteninfektionen:
•    Haltungsform (z. B. Einzelhaltung, Zwinger, Tierheim)
•    Ernährung (z. B. Rohfleischfütterung, Barfen)
•    Möglichkeit zur Aufnahme von Beutetieren oder Aas
•    Zugang ins Freie (mit oder ohne Aufsicht)
•    Wohnort (Region innerhalb Deutschlands)
•    Reiseaktivitäten

Nach den ESCCAP-Empfehlungen lassen sich aus den Risikofaktoren wiederum vier Risikogruppen (A bis D) und entsprechende Empfehlungen zur Kontrolle ableiten: Risikogruppe A hat ein geringes Ansteckungsrisiko. Das sind Hunde, die weder freien Auslauf haben und noch Kontakt zu anderen Tieren. Hier reicht es in der Regel, ein- bis zweimal im Jahr eine Entwurmung oder Kotuntersuchung durchzuführen. Hunde mit dem höchsten Ansteckungsrisiko (Risikogruppe D) hingegen, die unbeaufsichtigten Auslauf haben und eventuell Kot von Artgenossen oder Aas fressen, sollten monatlich entwurmt oder alternativ auf Parasiten im Kot untersucht werden.

Zwölfmal im Jahr entwurmen?

Ja, auch wenn dies im Alltag nicht immer durchgesetzt wird oder erwünscht ist, basiert diese Empfehlung auf parasitologischen Fakten: Sehr hohes Ansteckungsrisiko kombiniert mit einer Entwicklungsdauer der Würmer im Hund von wenigstens vier Wochen.

Mehr Informationen dazu sowie ein Behandlungsschema zur individuellen Entwurmung (Abb.) finden sich in der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1: „Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen“, diese steht auf esccap.de kostenfrei zur Verfügung.

Tierhaltern ist die Bedeutung und Notwendigkeit einer Anthelminthika-Behandlung oft nicht bewusst, dabei schützt eine Entwurmung nicht nur den Hund, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung. Wenn Wurmkuren nicht gewünscht sind, können alternativ auch Kotuntersuchungen vorgenommen werden

Praxistipp

ESCCAP bietet online einen Entwurmungstest an, der Hundehaltern schon vor dem Tierarztbesuch eine Risikoeinschätzung geben kann. Das ausgedruckte Ergebnis kann als Grundlage für das Gespräch mit dem Tierarzt dienen und dem Praxisteam vielleicht ein paar Minuten Zeit einsparen. Für das Wartezimmer bietet ESCCAP ebenfalls Flyer und Informationsmaterial zum Thema Entwurmen an. Dieses kann die wichtigsten Fragen von Tierhaltern klären und auch kostenfrei angefordert werden. Entwurmung bei Welpen und Muttertieren Da der Hundespulwurm Toxocara canis nicht nur oral, sondern vor allem auch diaplazentar und ebenfalls galaktogen übertragen wird, sollten Welpen bereits ab dem Alter von zwei Wochen im zweiwöchigen Rhythmus, bis einschließlich zwei Wochen nach dem Absetzen, gegen Spulwürmer entwurmt werden. Parallel zur ersten Behandlung der Welpen sind auch die säugenden Muttertiere zu entwurmen. Um eine Übertragung von trächtigen Hündinnen auf ihre Welpen zu verhindern, sollte sie ab dem 40. Trächtigkeitstag täglich mit Fenbendazol oder etwa zwischen dem 40. und 55. Trächtigkeitstag zweimalig mit makrozyklischen Laktonen behandelt werden. Wichtig: In Deutschland besteht für diese Indikation in beiden Fällen keine Zulassung, sodass umgewidmet werden muss.

Vor Impfungen ans Entwurmen denken

Zwei bis drei Wochen vor einer Impfung sollte ebenfalls der Wurmstatus überprüft oder entwurmt werden. Denn: Sollte ein Hund zum Zeitpunkt der Impfung verwurmt sein, ist zu befürchten, dass der Impferfolg ausbleibt. Alternativ kann auch wenige Tage vor der Impfung eine Kotuntersuchung vorgenommen werden. Liegt kein akuter Wurmbefall vor, kann bedenkenlos geimpft werden.

Entwurmung schützt auch den Menschen

Insbesondere bei Therapiehunden oder Tieren, die im Umfeld von immunsupprimierten, chronisch kranken Personen, Säuglingen oder Kleinkindern leben, sind ebenfalls monatliche Entwurmungen zu empfehlen. So besteht für Haltern eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit dafür, dass ihr Tier „wurmfrei“ ist und keine für den Menschen ansteckenden Wurmstadien ausscheidet.

Fazit

Tierhaltern ist die Bedeutung und Notwendigkeit einer Anthelminthika-Behandlung oft nicht bewusst, dabei schützt eine Entwurmung nicht nur den Hund, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung. Wenn Wurmkuren nicht gewünscht sind, können alternativ auch Kotuntersuchungen vorgenommen werden, wobei diese dann ebenso häufig durchzuführen sind wie die Entwurmungen. Allerdings ist insbesondere hinsichtlich der Bandwurminfektionen von einer sehr eingeschränkten Nachweissicherheit der Kotprobenuntersuchung auszugehen.